Räuber anno 1989
Beginnen wir mit einem positiven Beispiel. Friedrich Schillers «Räuber» sollen bei der Erstaufführung 1782 in Mannheim das Publikum unglaublich erregt haben: «Das Theater glich einem Irrenhaus, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie», so ein Augenzeuge. Schiller war gerade 23 Jahre alt und büsste seine verbotene Reise zur Aufführung nach Mannheim mit Arrest auf der Stuttgarter Hauptwache ab. Das Sujet sind die wilde Räuberbande des vom alten Vater verstossenen Sohnes Karl, die bösen Intrigen seines Bruders Franz und die holde unschuldig zwischen allen Fronten taumelnde Maid Amalia. Jugendlicher Wahn-und Leichtsinn toben im Stück, der Vater stirbt an Gram, der Böse erhängt sich, der quasi Gutböse bringt die Maid um und begibt sich selber zum Schaffott.
Und das inszenierte 1989 Andras Fricsay Kali Son im (nur provisorisch bespielbaren) Prinzregententheater in München genau so, wie es wohl der wilde junge Friedrich gewollt hätte. Leere Bierdosen kullerten über die Bühne, die Räuber zeigten sich in Leder und mit ihren schweren Maschinen, das Bühnenbild war schwarz, schwarz, am schwärzesten, und der zynische böse Franz verschonte uns nicht einem gezeichneten prallen Phallus. Aber das Stück lebte, war intensivst da, sein innerer Sinn war präzis getroffen. Meine etwas älteren Pfarrer-Kollegen, die ich in die Aufführung gelockt hatte, waren entsetzt. Ich genoss jede Minute.
PS: Damals spielten in den Hauptrollen Daniel Friedrich den Karl, Esther Hausmann die Amalia und ein genialer junger Rufus Beck den Franz.
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