Die andern sind schuld
Bischof Walter Mixa (Augsburg) im Interview zum Thema «Sexuelle Übergriffe durch Priester»:
«Sexueller Missbrauch von Minderjährigen ist leider ein verbreitetes gesellschaftliches Übel, das in vielfältigen Erscheinungsformen von der Familie bis zur Schule oder zum Sportverein auftritt. Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig. Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt.»
Das ist wieder eine typisch katholische und geschichtsferne Argumentation. Die grosse Mehrzahl dieser Übergriffe erfolgte bereits zwischen den 50er und 70er Jahren (etwa in den kirchlich getragenen Heimen in Quebec und Irland), also in einer Zeit, in der gerade Kleriker noch recht unaufgeklärt und (in Mixas Sicht) damit unbelastet waren. Es stimmt, dass die Sexualisierung der Gesellschaft zu einem höheren sexuellen Aggressionspotential unter Jugendlichen geführt hat und führt. Das ist übel. Aber ich glaube, dass gerade, weil das Thema omnipräsent ist, Priester bei Übergriffen viel schneller auffliegen.
Natürlich wäre es schön, wenn die böse freie Gesellschaft des Westens an allem schuld wäre. Aber dem ist nicht so.
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