Heinz Angehrn

«Für und um Priester beten»

Ich kritisiere nicht gerne mein eigenes Bistum und schon gar nicht seine Verantwortlichen. Mir gegenüber haben sie sich in der Grundsatzfrage meiner seelsorglichen Existenz korrekt, fair und menschlich erwiesen.
Und doch möchte ich mich zum Flyer äussern, der via Bistumspost nun bei allen Seelsorgenden eingetroffen ist. Mit rechter Verspätung reagiert auch St.Gallen auf das von Benedikt ausgerufene und im kommenden Juni endende Priesterjahr und startet eine Inititative «Für und um Priester beten». Regens Guido und Kollege Niklaus stehen als Erstadressen.
Was ich am Projekt gut finde (unter «Anliegen» zu lesen) ist, dass Menschen in den Pfarreien aufgerufen werden, für die jetzt aktiven Priester zu beten und auf lieblose Kritik, Verurteilen und Nörgeln ihnen gegenüber zu verzichten. Das kann auch ich immer wieder gebrauchen.
Was mir problematisch erscheint, ist, dass fast geschichts- und theologielos dazu aufgerufen wird, um «neue Berufungen zum Priestertum» zu beten, ohne jegliche Äusserung zum Thema Pflichtzölibat. Ich weiss, dass das sehr unbeliebt ist, was ich jetzt schreibe, und doch schreibe ich es:
Es ist unverantwortlich (im Wissen um die Tausende und Tausende von Opfern – bei den Priestern selber; bei ihren geheimen Partnerinnen und den versteckten Kindern; bei Kindern und Jugendlichen, an denen sexuelle Übergriffe erfolgten etc.) um neue Berufungen in den Dienst als Diözesanpriester unter den jetzigen kirchlichen Regeln zu beten!

1. Februar 2010 | 11:10
von Heinz Angehrn
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