Heinz Angehrn

Ernstes zu Weihnachten

Ich mag nun hier nicht auch noch über die Feiertage provokativ theologisieren oder gar politische Kommentare abgeben – das soll dann ab dem 02.01.2010 wieder geschehen, in dieser kirchenintern wie schweizintern bedrückenden angebräunten Atmosphäre notwendig und hoffentlich alle Schaltjahre auch notwendend.
Die ersten Weihnachten ohne die Eltern. Für einen Priester bleiben Eltern wichtigere Bezugspersonen als für Verheiratete oder permanent in Beziehungen Lebende. Und wenn man Einzelkind ist, reduziert sich das Wort «Familie» genau auf diese drei Personen. 54 Weihnachten habe ich mit ihnen gefeiert. Papa wurde 90, Mama 92 Jahre alt; beide sind geistig völlig klar geblieben, ansonsten aber waren sie gebrechlich und sehr schwerhörig.
Was am schlimmsten und für mich kaum erträglich war, war zu erleben, wie Ordnung, Sauberkeit und Sorgfalt zu wichtigen Dingen im Alter immer mehr zerfielen, ja fast in Vergessenheit gerieten. Die Bücher, die Schallplatten, das Geschirr, die Möbel, sie gingen kaputt, Stück für Stück. Und mir war, als würde mir so auch Stück für Stück die gemeinsame Geschichte zerstört. Die letzten etwa sechs Weihnachten war ich nur noch traurig, manchmal aber leider auch zornig. Es sage mir darum niemand, das hohe Alter, die dritte Alterspase, sei anstrebenswert. Ich hoffe und gedenke, so um die 85 in Würde abzutreten.

24. Dezember 2009 | 11:50
von Heinz Angehrn
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