Heinz Angehrn

1989 und die Folgen II

Das Weltbild, in das ein Schweizer Schüler und Gymnasiast hineingeboren und -gestellt wurde, war bis zu diesem Datum, wenn man(n) nicht auf seltsam anarchistischen Gleisen wandelte (und das tat ich nie, ich lehnte die demonstrierenden Studierenden in München, wie ich sie 1977/78 erlebte, von ganzem akademischem Herzen ab), einfach und geprägt von klaren historischen Erfahrungen.Meine Mutter hatte mir schon als Bub von der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes 1956 erzählt. Für sie war das ein einschneidendes Ereignis gewesen. Ebenso einschneidend wurde 1968 für mich das brutale Ende des Prager Frühlings. Mit vielen Hundert Anderen standen auch wir 1.Sek-Schüler auf dem Marktplatz und riefen «Dubcek, Svoboda». Und so beschloss ich früh, den Militärdienst nicht zu verweigern, sondern als guter Christ, wie ich mit friedlich naiven 17 Jahren dachte, waffenlosen Sanitätsdienst zugunsten einer guten Sache zu leisten.Vielleicht war sie ja etwas einfach, diese Zweiteilung der Welt in die bösen Roten, die von Osten her drohten, wie vor Jahrhunderten die Hunnen und die Ungarn, und in die guten Blauen mit den Amis als Bollwerk und Schutzmacht der Freiheit seit 1945. Aber geprägt hatte sie ganze Generationen.Und nun fiel diese Mauer, fiel der Ostblock, sprach Gorbatschow von Erneuerung.Windhauch, Windhauch ist alles, was der Mensch denkt und sinnt …

17. Dezember 2009 | 08:54
von Heinz Angehrn
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