Heinz Angehrn

Vorschläge des Bundesrates

Als Mitglied des Patronatskomitees von Exit habe ich die politischen Vorgänge der letzten Monate (Zürcher Abkommen zwischen Kanton und Exit; nationale Diskussion) mit Interesse verfolgt. Nun liegen die Ideen unserer Regierung auf dem Tisch. Einige erste Gedankensplitter:
a) Irgendeine staatlich-juristische Regelung ist in der Frage der Beihilfe zum Suizid auf jeden Fall besser als keine. Wildwuchs im Stile der unsäglichen Organisation «Dignitas» muss Vorschub geleistet werden. Ich verstehe wirklich nicht, warum die SVP (zuerst Blocher im Bundesrat und nun die Partei – etwa immer noch unter seinem Diktat?) auf Fundamentalopposition macht.
b) Ein Verbot ist zunächst und ganz plump formuliert gesellschaftlich nicht mehrheitsfähig, zum andern aber aus meiner Sicht ethisch-religiös strikte abzulehnen. Die Würde des Menschen ist gerade auch dann zu respektieren, wenn er selbstverantwortlich und in freiem Willen entscheidet, aufgrund einer schweren Krankheit in Ehren abtreten zu wollen. Gerade Religionsvertreter sollen sich hüten, dem Individuum vorzuschreiben, was zu seinem Besten ist.
c) Eine ausserhalb der zum Tode führenden Krankheiten zu restriktive Regelung stürzt Menschen, die in hohem Alter unter einer Kombination von lebenseinschränkenden Erkrankungen und Schmerzen leiden, ins emotionale Elend. Hier müsste (anders als bei psychischen Erkrankungen, bei denen ich die Argumente der Befürworter einer strengen Regelung verstehe) viel sensibler und im Dialog mit Betroffenen und ihren Angehörigen an juristischen Formulierungen gefeilt werden.

29. Oktober 2009 | 07:46
von Heinz Angehrn
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