Heinz Angehrn

Quebec libre

Und dann kommt zu allem noch der politisch-soziale Aspekt hinzu. Quebec versteht sich als schlecht verstandener und schlecht integrierter Teil Kanadas. Über Stephen Harper haben wir in den drei Wochen in der französischsprachigen Presse kein gutes Wort zu lesen bekommen. Und bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Montreal kandidiert mit Louise Harel eine Politikerin gegen den Amtsinhaber Gérald Tremblay, die sich sogar geweigert hat, an der einzigen englischsprachigen Diskussion im Fernsehen teilzunehmen mit der ironischen Begründung, ihr Englisch sei nicht gut genug. Na ja, wenn wir Herrn Harper so französisch reden hörten, schlimmer hätte es wohl nicht kommen können. Und besser, als Herr Pascal Broulis Deutsch spricht, spricht diese Dame noch lange ihr Englisch.
Aber es geht ihr und dem wiedererstarkten Bloc Québécois ums Prinzip. Der Teil Kanadas fühlt sich weniger kanadisch als francophon. Und gerade Jugendliche und junge Erwachsene radebrechen bewusst im schlimmsten Quebec-Akzent und vermeiden tunlichst das für alle verständliche Hoch-Französisch. Im Radio etwa war dieses nur gerade von den Nachrichtensprechern/innen zu hören. Und unsere Bemühungen im schönsten Französisch, das die Deutschschweiz zu bieten hat, dem der Region St.Gallen, stiessen auf Erstaunen (trois cents, quatre cents, nicht troisso, catreso und so).
Als Multikulti-Schweizer konnten wir vieles verstehen, nachempfinden und auch intellektuell nachvollziehen.

5. Oktober 2009 | 16:45
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!