Swiss army live – Teil IV: Marschieren, bis der Körper bricht
Da muss ich mich gleich zunächst bei Herrn Fritzsche entschuldigen und zugleich bedanken: Beim längsten und übelsten aller Märsche hat er mich nämlich im Aufstieg von Rodi-Fiesso zum Ritomsee getröstet und später sogar mit Heidelbeeren gefüttert. Er war ein wirklich fürsorglicher Chef, und dass ich in meinem Trotz noch langsamer getrottet bin, ich als eigentlich konnte, tut mir heute leid. Sollte ihn jemand, der hier liest, kennen, bitte ich doch, es ihm auszurichten. Er war einer der wenigen Offiziere in meiner gesamten «Karriere», den ich achtete (auf Oberst Schmidt komme ich noch zu sprechen). Sein Wutanfall etwa, als ich meine leidvoll geplagten Füsse beim Marschhalt in der Maggia badete, ist mir heute sogar verständlich (denn, der/die Leser/in weiss, ich war ja später Pfadfinderpräses und hatte auch solche Wutanfälle…).
Aber das Marschieren war eine der gröberen Sinnlosigkeiten und nämlich nicht dass, sondern in der Art und Weise, wie es vorgenommen wurde. Da mussten völlig sinnlose Gegenstände mitgeschleppt werden, die nur das Gewicht des Rucksacks vergrösserten. Höhepunkt etwa: Im heissesten Tessiner Sommer wurde der schwere Wintermantel (er hiess so etwas wie «Kaputt» und machte es auch) mitgeschleppt. Manchmal verlor die Eidgenossenschaft so auch Gegenstände, wenn etwa ein schlapper Rekrut das Rad einer Bahre in eine Gebirgsschlucht wegrollen sah. Und noch schlimmer: Es musste organisiert gewandert werden, in streng vorgeschriebenem Abstand und Rhythmus. Später in der Jugendarbeit lernte ich schnell, dass man vorne an die Marschgruppe einen der Schwächeren stellen muss, damit alle mithalten. Aber hier wurde in Gottes schöner Schöpfung herumgerannt ohne Rücksicht auf Verluste.
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