Swiss army live – Teil III: Die übleren Tätigkeiten
Nebst der äusserst spannenden Fachausbildung gab es aber auch die inhaltlichen militärischen Elemente. Die bestanden in dreierlei: Exerzieren, Schiessen und Marschieren. Die ersten beiden will ich kurz abhandeln. Denn Schiessen musste ich als Waffenloser nicht. So gefiel mir der Teil recht gut, denn immer, wenn meine Kollegen wieder einmal in der Kiesgrube im Wald mit ihren Pistolen herumballerten, sass ich als Schiesswache im Kastanienwald, las Agatha Christie-Krimis, die im Kämpferhosensack gut Platz hatten, und sorgte dafür, dass nicht unschuldige Touristen oder kastaniensammelnde Nonnas durchsiebt wurden. Das war friedlich, ausser das eine Mal, wo eine solche Nonna mir nicht gehorchen wollte. Sie wollte nicht umkehren und liess schlecht mit sich reden. Und ich war ja unbewaffnet, was tun?
Das Exerzieren hingegen war die Sinnlosigkeit in höchster Potenz. Noch heute denke ich, dass sein einziger Sinn (das Wort dürfte aber nicht gebraucht werden!) ist, den einzelnen Soldaten bzw. Rekruten seiner Persönlichkeit zu berauben, ihn zur blossen Nummer zu machen, recht eigentlich seiner Menschlichkeit zu berauben und sich damit für den Ernstfall zu wappnen, wo es keine Rolle spielen darf und soll, welche Nummer da gerade totgeschossen liegen bleibt.
Da muss aber unser Leutnant, ein junger gutaussehender und braungebrannter Herr mit Namen Fritzsche gelobt werden. Denn ihm gelang es, was mit Akademikern eben gelingen kann: Wir kannten seine Form des Exerzierens schon beim dritten Mal auswendig, es kamen immer dieselben Befehle zur selben Zeit, der Ablauf war total identisch. Und wenn denn da kontrolliert wurde, die tumben Instruktions-Offiziere erschienen, keuchten, sprangen und bremsten wir und schüttelten uns innerlich vor Lachen. Dank Herrn Fritzsche wurde die Sache schon intern ad absurdum geführt.
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