Swiss army live – Teil I: Die Kaserne im Süden
Am 2.August 1976 rückten einige hundert gequält blickende oder auch ironisch grinsende Rekruten in die Sanitäts-Sommerrekrutenschule in Losone (Ticino) ein. Es war brütend heiss, die Touristen flanierten am Lago Maggiore und wir Armen liessen in Locarno ein letztes Mal unsere nackten Füsse in den See baumeln, bevor uns Armee-Lastwagen in den Vorhof der Hölle, sprich die Grünfläche vor der Kaserne, transportierten. Das Berauben der persönlichen Freiheit erfolgte mittels Wechsel der individuellen Bekleidung in ein hässliches Feldgrau, mittels Drohungen, dass wer sich nicht an unzählige sinnlose Details (wie die Haarlänge oder das Aufspringen und Schreien, wenn irgendein Oberer erschien) halte, eingesperrt werden könne, und mittels der Einmittung von unzähligen höchst sportlichen bis völlig unsportlichen Individuen in ein Einheitsindividuum «Schweizer Rekrut».
Ich war da völlig fehl am Platz, denn ich war a) ein zu extremem Individualismus neigender Theologiestudent, b) ein Nörgler und Kritiker in allen Fragen, die Reglemente betreffen und c) – o Schreck – völlig unsportlich.
Das Drama konnte beginnen. Es dauerte (zu) lange.
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