Heinz Angehrn

Sozialformen von Kirche

Gestern hielt uns St.Gallern (mit hochkarätigem Zuzug aus Solothurn) Christian Bauer, Assistent am Lehrstuhl für Praktische Theologie in Tübingen, eine Fortbildung zum Thema «Gott im Milieu. Perspektiven einer lebensraumorientierten Netzwerkpastoral». Im Gesamt der Arbeit an der LebensraumOrientierten Seelsorge (LOS) im Dekanat St.Gallen ein weiterer Mosaikstein. Anfangszitat und Provokation war der Satz eines französischen Bischofs aus dem Jahr 1948, «Die Zeit einer Pastoral in den Grenzen der Pfarrei ist vorbei». Darauf folgten im ersten Teil Ausführungen zur Veränderung der Sozialform vom vorkonziliär-hierarchischen Typus «Pfarrei» zum «hypermodernen» (was immer auch dieser Terminus soll) Typus «Netzwerk» innerhalb der multikulturellen, multireligiösen und entchristlichten Beliebigkeitswelt des «anything goes».
Ich könnte lange schreiben, darum nur eine anstössige Anstösse:- Die frustrierten Gesichter der kirchlichen postmateriellen 68er, als ihnen wissenschaftlich offenbart wurde, dass der postmoderne Typus der «Gemeinde» passé sei. Wie Kinder, denen man das Spielzeug zerscheppert hat.– Die allgemeine Verwirrung von links bis mittelrechts (rechts gabs unter den Anwesenden nicht, der junge Student aus Rom muss nicht als Wanze gewertet werden), ob denn solche Beliebigkeits- und Dienstleistungspastoral noch im Sinne des Herrn Jesus sei. Ohne ideologische Scheuklappen geht viel mehr als wir meinen. Trauerfeiern mit Ausstreuen der Asche auf dem Berggipfel, Taufen am Wasserfall, Segnung der Ehe von Geschiedenen etc. etc.– Schade, schade, war kein Herr, keine Dame, aus der Fraktion der Landeskirchenfeinde und -Abschaffer anwesend.– An Herrn Bauer: Die Brille der französischen Kirche und Theologie taugt historisch gesehen sehr schlecht für die Wahrnehmung der deutschsprachigen. Einzige ernsthafte Kritik, muss gesagt werden.

3. September 2009 | 08:46
von Heinz Angehrn
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