Heinz Angehrn

Die Literatur-Kommissare der Neuzeit

Seit Anfang der Pubertät lese ich Krimis. Allerdings nicht alles, sondern am liebsten die nicht zu blutige und auch nicht zu depressive Variante, in der ein kluger Kommissar es immer wieder schafft, dem Recht zum Recht und den Bösen zur Verurteilung zu verhelfen. Raymond Chandlers Philipp Marlowe gehört so nicht den Helden, die mich interessieren. Allerdings habe ich es schon gerne, wenn Marlowes misanthrope Aura den Helden etwas einfärbt, sprich im Normalfall eingraut bis einschwärzt.
In einer längeren Reihe, nach Maigret, Studer und Poirot, faszinieren mich nun schon länger Peter Hunkeler, geschiedener Kommissär in Basel, und Kurt Wallander, geschiedener Kommissar in Ystad, beide am Rand der Berufsdepression und damit immer auch am Rand des Alkoholismus schwankend, beide tief in die Sorgen unserer multikulturellen und globalisierten Welt ausgangs des 20. und eingangs des 21.Jhs. eingebettet, zugleich auch mit einem Rückblick in die düsteren Kapitel der Geschichte, beides geniale Einzeldenker und Einzelgänger, beide mit Sympathien für die Kleinen, die man fängt, und mit Antipathien gegenüber den Grossen, die man laufen lässt.
Faszinierend auch der Gedanke, dass die beiden Herren wohl nichts als alter Egos ihrer Erfinder, Hansjörg Schneider und Henning Mankell, sind. Ich glaube nicht an den Zufall, dass zu ähnlichen Zeiten in ähnlichen Ländern ähnliche Charaktere geschaffen wurden. Geist der Zeit.

28. Juli 2009 | 13:51
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
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