Schwanengesang
Es bleiben 24 Stunden, dies zu lesen und zu kommentieren.
Ich habe hier nicht immer fair argumentiert und formuliert. So erschien vor etlichen Jahren eine Schnellserie mit dem Titel «Barbari ibi adsunt», mit der ich die USA karikierte. Karl Stadler reagierte berechtigterweise indigniert und empfahl, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Recht hatte er! Denn was ist so schlimm daran, mieses Englisch zu sprechen und schlechten kulinarischen Geschmack zu haben, wenn man trotzdem Demokratie und Menschenrechte achtet und schützt. Wie konnte ich ahnen, dass die wahre Barbarei erst noch bevorstand.
Und dann die Reaktion auf Covid und alle damit verbundenen Zumutungen. Ich habe hier sehr scharf auf die Verhängung des Maskenobligatoriums reagiert. In einer von Medizinern gut besetzen Familie brachte mir dies Tadel ein. Doch halte ich am Vorwurf fest, dass eine Regierung nicht befugt ist, über meinen persönlichen ethischen Entscheid, wann und wo ich eine Maske trage, zu bestimmen. Doch ich geriet so in den Dunstkreis von Verschwörungstheoretikern. Dies bedaure ich. Und es erfüllt mich aber mit Schadenfreude zu lesen, dass die damals «befohlene» Maske nach heutigem Wissen nichts genützt hat.
Und dann zu meinen Kommentaren zum Tod von Papst Benedikt und zu dem von alt Bischof Vitus. In beiden Fällen reagierte ich mit Mitleid ob eines solchen Priesterlebens inmitten unserer hochgeschätzten Mutter Kirche. Fans von beiden fielen über mich her und ziehen mich der Bösartigkeit. Ich bleibe dabei, dass es Mitleid war und bleibt. So viel Selbstverleugnung, so viel Anpassung, so viel zerschlagene private Hoffnungen und Träume. Diese Institution macht Opfer zu Tätern, und diese können es weit bringen. Das erschreckt mich und ich frage selbstkritisch, ob ich genügend «widerstanden» hätte.
Es grüsst alle Lesenden
der Blogger
und endet mit einem seiner Lieblingstexte:
Du, lass dich nicht verhärten
In dieser harten Zeit
Die allzu hart sind, brechen
Die allzu spitz sind, stechen
Und brechen ab sogleich
Und brechen ab sogleich
…
Du, lass dich nicht erschrecken
In dieser Schreckenszeit
Das woll’n sie doch bezwecken
Dass wir die Waffen strecken
Schon vor dem großen Streit
Schon vor dem großen Streit
Du, lass dich nicht verbrauchen
Gebrauche deine Zeit
Du kannst nicht untertauchen
Du brauchst uns und wir brauchen
Grad deine Heiterkeit
Grad deine Heiterkeit
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Klaus Gasperi sagt:
Lieber Herr Angehrn,
vielen Dank für die zahlreichen, oft kritischen, immer anregenden Kommentare. Wobei, am Ende wird es jetzt doch arg theatralisch – “Schwanengesang”, “mundtot machen”. 20 Jahre und 4000 Blogs – das ist eine lange Zeit. Und auch eine Art Machtstellung, angesichts von 1,5 Millionen Schweizer Katholiken und Katholikinnen deutscher Sprache, die ihre Gedanken nicht so weit verbreiten können. Es erscheint mir daher nur konsequent: Wenn man eine hierarchische Kirche kritisiert, muss man selber manchmal auch bereit sein, Macht abzugeben, das hat selbst der oft kritisierte Benedikt am Schluss geschafft. Ihnen “en guete Rutsch” und ein schönes neues Jahr.
Heinz Angehrn sagt:
Ja wenn das so gewesen wäre, eine schöne Legende (die 4’000 sind übrigens von Kollega Ludin) …
Die Realität: kath.ch suchte nach Bloggern/innen, man(n) musste sich bewerben und wurde dann aufgenommen … nichts von Macht in der Luft, ich war ja damals Wald-, Feld- und Wiesenpfarrer und fühlte mich verpflichtet, mehr zu schreiben, als ich wollte, denn von den Anderen (ausser Walter) kam wenig.
Der Terminus “mundtot machen” stammt nicht von mir, der kommt wohl in den Reaktionen bei Walter Ludin vor.
Und dann: Sie schreiben sehr pauschal, haben Sie meinen Text vom 25. überhaupt ernst genommen: “Das entbindet aber nicht von der Pflicht, uns in der kleinen Zeitspanne, die uns gegeben ist, zu engagieren.”?
Klaus Gasperi sagt:
Lieber Herr Angehrn,
ich wollte Sie keinesfalls kränken, das tut mir Leid. Aber 20 Jahre ist eben eine sehr lange Zeit, länger als Benedikt oder Franziskus im Amt waren. Dass die neuen Leute bei kath.ch etwas verändern und Neues und Anderes beginnen wollen, das gestehe ich ihnen gerne zu, das mindert nicht Ihr Verdienst. Das Wort “mundtot” steht in einer Ihrer Reaktionen und wird als Zitat Martin Grichting zugeschrieben. Sie haben allerdings geschrieben, dass Sie nicht freiwillig aufhören – woraufhin mir zu erlauben bemerke, dass man nach 20 Jahren dann auch mal etwas verändern darf – ganz pauschal und generell als kluge Regel für Entwicklung und Veränderung.
Hansjörg sagt:
Danke für Ihre Beiträge.