Taufe – Zum Abschluss
zitiere ich sehr gerne aus dem NZZ-Artikel vom letzten Samstag (27.9., S.13, S.Hehli) mit dem Titel «Die Jungen bleiben den Kirchen fern»:
«2024 gab es nur noch 1800 katholische Trauungen, das ist ein happiger Einbruch von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr … Das sind schlechte Nachrichten für die Kirchen in Bezug auf den Nachwuchs: Wer nicht kirchlich heiratet, lässt mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auch die künftigen Kinder nicht taufen.»
«Arnd Bünker … sprach deshalb von einem Epochenwandel: Das Ende der ‘Nachwuchskirche’ sei erreicht, das bisherige, quasi automatische Erneuerungsmodell – getaufte Babys ersetzen beerdigte Senioren – funktioniere nicht mehr.»
«Der neue St.Galler Bischof Beat Grögli sagte, es wäre naiv, auf bessere Zeiten zu hoffen … Die Kirche dürfe dieses ‘Wenigerwerden’ nicht nur verwalten, sondern müsse die Veränderungen aktiv gestalten.»
Hier setzt mein Vorschlag an. Wir taufen möglichst bald keine Kleinkinder mehr. Kirchlich engagierte Eltern bringen ihre Neugeborenen zu einer Segnung im Rahmen des Pfarreigottesdienstes. Die Katechese, die Einführung in den Glauben und seine Rituale, erfolgt bei ihnen in der Familie. So entscheiden auch die Familien gemeinsam, wann ein Kind auch zur Kommunion gehen kann. Wo der Staat es den Kirchen ermöglicht, an einem Ethik-Unterricht in den Schulen zu partizipieren, sind wir mit gut geschultem Personal dabei.
Die Taufe aber, das Sakrament der offiziellen Aufnahme in die Kirche, wird erst Jugendlichen und jungen Erwachsenen (religiöse Mündigkeit) angeboten und gespendet, die sich freiwillig und nach Durchlaufen eines Katechumenats (da sich in der Grundstruktur durchaus dem der frühen Kirche angleichen kann) dafür entscheiden. Das persönliche Sprechen des Glaubensbekenntnisses und eine Bereitschaft zur ethischen Orientierung des Lebens im christlich-neutestamentlichen Sinn sind wesentliche Bestandteile. Die gemeinsame Taufe findet natürlich in der Feier der Osternacht statt.
Ein Vorschlag.
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Br. Paul Zahner OFM sagt:
Vielen Dank an Heinz Angehrn das Thema Taufe zum Thema zu machen. Leider ist es kein Thema, müsste aber dringend ein Thema werden, weil es eine zentrale Grundlage für uns als Christen ist. Offensichtlich nehmen Taufen in der Schweizer Kirche an Zahl ab. Das hat zur Folge, dass wir dringend wieder neu darauf schauen sollen und müssen.
Allerdings bin ich mit den Vorschlägen nicht in allem einverstanden. Es gibt keinen Grund Kindertaufen abzuschaffen. Wenn Eltern ihr Kind taufen lassen wollen, dann ist das äusserst wertvoll und soll von der Kirche unterstützt und mitgetragen werden. Eine gute Vorbereitung für die Eltern vor der Taufe ist ganz wichtig.
Aber wir müssen dringend wahrnehmen, dass es auch andere Formen der Nähe zu den Eltern gibt als nur die Taufe. Es ist gut möglich eine Kindersegnung anzubieten oder eine Namensgebung des Kindes im christlichen Kontext. Und bei diesem Angebot kann auf den Wert eines neu geborenen Kindes geschaut werden und dieser Wert ganz ins Zentrum gestellt werden. Dabei kann auch auf die Taufe verwiesen werden, auf die in verschiedenen Schritten hingeführt werden kann. Auch gibt es seit 2007 eine Feier der Kindertaufe in zwei Stufen, die mit einer Eröffnungsfeier beginnt und erst in einer zweiten Stufe die Taufe enthält. Seelsorgerlich können dabei die Eltern bestens begleitet werden und es können mit ihnen Glaubensgespräche geführt werden. Auch wenn sie zu einer Taufe nicht ja sagen können, können wir damit einen Weg auf die Taufe hin beginnen, der kurz sein kann oder auch Jahre dauern kann. Das ist ein wertvoller Weg, braucht aber von den Seelsorgenden her eine ausdauernde Geduld mit den Menschen. Solche alternativen Wege scheinen mir dringend notwendig zu sein, in der Situation, dass es immer weniger Kindertaufen bei uns in der Schweiz geben wird.
Daniel Ric sagt:
Ich finde, die kirchlichen Verantwortungsträger sollten die Gedanken von Herrn Angehrn aufnehmen und sich fragen, wie wir als Kirche eine neue Taufpastoral starten können. Ob man wirklich so radikal sein muss und auf jegliche Kindertaufe verzichtet, weiss ich nicht. Aber sicherlich macht die jetzige Praxis keinen Sinn mehr, da vieles nur noch Folklore ist. Wir brauchen überzeugte Christen, die sich bewusst für den Glauben entscheiden und versuchen, diesen im Alltag zu leben. Wir agieren immer noch so, als wären wir eine Volkskirche, obwohl diese Zeiten längst vorbei sind. Daher sind mutige Vorschläge wie dieser von Herrn Angehrn wichtig, um eine zukunftsfähige Kirche aufzubauen.
Hansjörg sagt:
Die Mühlen der kath. Kirche mahlen viel zu langsam. Siehe auch Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der Frauen innerhalb der Kirche. Aber wenn jedes Jahr 17% weniger kirchliche Trauungen vorgenommen werden, lösen die noch verbliebenen katholischen Menschen die Problematik auf ihre Weise.
Daniel Ric sagt:
Lieber Hansjörg, wenn man sich die Geburtenrate in den westlichen Ländern anschaut, dann werden sich – sofern man Ihr Weltbild teilt – noch viele Probleme von alleine lösen. Andere Kulturen, die weniger kirchenfeindlich sind und die nicht das hohe Lied der Säkularisierung singen, werden tonangebend sein. Meinen Sie nicht, dass Ihre ständige Betonung betreffend Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit (ich wäre auch noch interessiert, den Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen zu erfahren) ein Zeichen der Dekadenz und der Unfähigkeit sind, das Leben richtig zu leben?
Hansjörg sagt:
Lieber Herr Ric, in der kath. Kirche sind Frauen, jetzt im Jahr 2025, nicht gleichberechtigte Menschen. Solange das so ist, werde ich das anprangern, also wohl bis an mein Lebensende.
Sepp sagt:
Ja, und am besten erziehen wir unsere Kinder auch nicht, sie können dann später, freiwillig und nach Durchlaufen eines Knigge Kurses entscheiden, ob sie das wollen oder nicht.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts versucht die Kirche durch Abschwächung der Lehre, mehr Leute für die Kirche zu gewinnen. Das Resultat ist desaströs.
Trotzdem zieht man nie Bilanz und überdenkt das Vorgehen. Stattdessen stellt man neue Forderungen auf, wie sich die Kirche der Welt anpassen könnte, um dann endlich von ihr akzeptiert zu werden. Gleichberechtigung der Frauen in allen Kirchenämtern und vollkommene Akzeptanz von LGBT sind nur Zwischenschritte. Was in den 60ern in der Kirche als undenkbar galt, wird heute gefordert, und was heute als undenkbar gilt, wird morgen gefordert.
Das “Aggiornamento” dauert seit dem zweiten Vatikanischen Konzil an und hat nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Es wird Zeit, dieses Experiment zu beenden und zur Tradition zurückzukehren. Ich weiss, man schmückt sich oft damit den Katholizismus der Urkirche wiederzubeleben, doch die übrige geschichtliche Entwicklung überspringen zu wollen ist schlichtweg naiv.
Formalistische Taufen ohne katholische Erziehung machen keinen Sinn. Doch das Problem ist die Kirchenkrise und der Verlust des katholischen Glaubens in der Gesamtbevölkerung. Die Grundursache muss zuerst behandelt werden.
Daniel Ric sagt:
Es gibt heute mehr als doppelt so viele Katholiken wie vor 60 Jahren. Die negative Einschätzung betreffend 2. Vatikanum übersieht sehr viele wichtige Tatsachen. Die Kirchenkrise hat nicht ihre Ursache im zweiten Vatikanum. Das Konzil war der Versuch, die Kirche auf die Herausforderungen der säkularen Welt einzustellen. Man kann den Versuch als gut oder schlecht empfinden, aber es ist meines Erachtens völlig falsch, das Konzil selbst als die Ursache zu betrachten. Ich selbst glaube, dass die Kirche ohne das Konzil viel schlechter dastünde. Das Problem in der Schweiz ist, dass das Konzil nie richtig umgesetzt wurde. Anstatt sich von der Volkskirche zu verabschieden und auch eine Unabhängigkeit vom Staat zu erlangen, machte man einfach weiter wie bisher, was zur jetzigen Situation geführt hat. Deswegen braucht es neue Ideen wie diejenigen, die Herr Angehrn hier vorschlägt (ob man diese nun gut oder schlecht findet). Eine weitere Diskussion, die übrigens geführt werden müsste, und zu der vielleicht Herr Angehrn auch etwas zu sagen hat, ist die Frage nach den Territorialpfarreien. Für mich persönlich machen diese in Zeiten der vermehrten Mobilität und der Individualisierung keinen Sinn mehr.
Heinz Angehrn sagt:
Der Verfasser mischt sich nochmals selber kurz in die Diskussion ein:
Mein Vorschlag wäre natürlich katastrophal falsch, wenn man(n) die Heilsnotwendigkeit der Taufe postuliert. Das tue ich natürlich nicht und habe es nie getan. Wie es zu einer solchen Verfälschung der neutestamentlichen Botschaft kam, das sollen hier die Dogmatiker/innen erklären. Generationen von Müttern, Eltern und Grosseltern wurden mit dieser Theorie geängstigt, das ist schlimm genug.
Aber doch und klar und ehrlich: Mein Vorschlag ist nur unter der Annahme möglich, dass keine solche Heilsnotwendigkeit besteht.
Sepp sagt:
Man(n) postuliert die Heilsnotwendigkeit der Taufe? Dies ist Lehre der Kirche.
Aus der Siebenten Sitzung des Konzils von Trient, Canon 5: “Wenn Jemand sagt, die Taufe sei frei gestellt, das ist, nicht notwendig zu Heil: der sei ausgeschlossen.”
Zudem bedeutet die Annahme, dass es eine Verfälschung der neutestamentlichen Botschaft gegeben hat, Jahrhunderte von Kirchengeschichte, tausende von Schriften, die Kirchenväter und die Heiligen allesamt zu verwerfen.
Ich denke, da ist es wissenschaftlicher, die Taufe als heilsnotwendig zu betrachten.