Linsenbühl III
IIIWinter bedeutete auch eine kirchliche Zeit, ja die schönste aller kirchlichen Zeiten überhaupt, den Advent. Zehn Minuten war’s zu Fuss vom Linsenbühl in die Kathedrale. Und da war der Schnee dann erwünscht, zum einen, dass er üppig lag entlang den Strassen und auch dem Klosterplatz. Noch mehr aber, dass er fiel, früh morgens, luftig und leicht, eine Welt von tanzenden Sternschnuppen. Der Weg war voller Vorerwartung, voll Genuss. Und dann war sie da, jeden Morgen, 24 Tage lang, gross, warm, erleuchtet, mollig friedlich, die grosse Kirche. Und keine Experimente, schon das war herrlich: Jeden Morgen um halb Sieben das Läuten der kleinen Glocke, und dann setzte die Choralschola von Magister Scherrer ein: «Ave Maria, gratia plena», drei Mal, immer einen Ton höher, das war lustvollster Kult. Was die Priester da zu sagen hatten, blieb irrelevant gegenüber dem Licht, der Musik.
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