Kurz und schnurz – neueste Aphorismen
Was kümmert es die Sonne,
dass sie auch auf die Ungerechten scheinen muss?
Wer sich beschwert, erleichtert sich.
Hoffnung:
Wenn es am schlimmsten ist,
wird es sicher besser.
Wenn das Licht verschwindet,
verschwindet auch der Schatten.
Auch ein kurzes Leben erscheint lang,
wenn es langweilig ist.
Zum Glück fehlt uns immer etwas zum vollen Glück.
Umkehr ist schlecht,
wenn sie in die falsche Richtung geht.
Es ist nutzlos, einen Gehörlosen anzuschreien.
Trump und Darwin begegnen einander
Aktueller Kommentar
Ich musste immer und immer wieder an Trump denken, als ich dieses Buch las: Die Abrechnung des deutschen Medizinprofessors und Psychotherapeuten Joachim Bauer mit Darwin; vor allem mit seiner These, der Mensch sei primär auf Egoismus und Kampf eingestellt. Wer lebt heute dieses Konzept konsequenter als der amerikanische Präsident?
Der Autor umschreibt in seinem Buch mit dem Titel «Prinzip Menschlichkeit» Darwins Ansatz: Die Evolution hat Konkurrenz, Kampf und Selektion zu den Grundkräften menschlichen Lebens gemacht. Und vor allem auch: Der Motor des persönlichen und gesellschaftlichen Verhaltens ist nach Darwin die rücksichtslose Durchsetzung egoistischer Interessen, individueller Vorteile und konsequenter Ausbeutung der natürlichen Ressourcen.
Die Gegenposition Joachim Bauers, der sich einen Namen als hervorragender Gen-Forscher gemacht hat, lautet: «Nicht der Kampf ums Dasein, sondern Kooperation, Zugewandtheit sind das Gravitationsgesetz biologischer Systeme.» Gemäss dem Untertitel «»Warum wir von Natur aus kooperieren» erzählt er von neuern Experimenten, wonach schon Kleinkinder von 18 Monaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Erwachsenen beistehen, wenn sie in offensichtlichen Nöten sind; und zwar unabhängig davon, ob sie die Hilfsbedürftigen kennen und ob ihnen eine Belohnung winkt. Diese und viele Beobachtungen und Thesen im vorliegenden Buch zeigen: Darwin irrte sich. (Seine These von der Abstammung der Menschen steht hier nicht zur Diskussion.)
Es klingt schon recht «prophetisch», wenn in dem 2008 (!) geschriebenen Buch steht: «Einige grosse Länder haben den Darwinismus – ohne es ausdrücklich so zu formulieren – gleichsam zum Staatsziel erhoben.» Dass sie damit in einer Sackgasse enden, zeigt das Buch sehr deutlich.
Gerade in der jüngsten Gegenwart ist dies sehr mutmachend; und eine Einladung, uns so zu verhalten, wie es den Gesetzen der Natur entspricht, die zu allen Zeiten von Kooperation statt von rücksichtslosem Kampf geprägt sind.
Walter Ludin
Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit, Warum wir von Natur aus kooperieren. Heyne 2008. 256 Seiten.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.




stadler karl sagt:
Gegenseitige Untersützung und Zusammenarbeit lässt sich keineswegs nur bei der menschlichen Art beobachten. Das kommt im Tierreich genauso vor. Genauso, wie sich Konkurrenz und Anpassung überall beobachten lässt. Kreative Konkurrenz ist wahrscheinlich für nicht wenige Errungenschaften im menschlichen Dasein ursächlich, im negativen genauso wie im positiven Sinn! Dass staatliche Gebilde, die Grossmächte darstellen, zuerst immer auf ihren je eigenen Vorteil bedacht sind und immer waren, ist gewiss keine prophetische Erkenntnis. “America first” ist weiss Gott keine Erfindung von Trump, auch wenn er diesen Grundsatz wirklich ganz gefährlich auf die Spitze zu treiben scheint. Diese Eigenschaft zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, bereits lange bevor es den Begriff “Darwinismus” ausgelöst durch die Theorie von Charles Darwin, gab. Bereits Platon prägte in den Nomoi sinngemäss den Grundsatz “si vis pacem, para bellum”. Und der römische Kaiser Marc Aurel, der den Grundsatz des Kosmopolitismus bezogen auf alle Menschen, auf Sklaven genauso wie auf Freie, vertrat, eine Maxime, die bereits in der alten Stoa von Zenon, lange vor Entstehung des Christentums vertreten wurde, verbrachte mindestens die Hälfte seiner Regierungszeit in Militärlagern an der Grenze des Reiches.
Ich glaube nicht, dass jemand der Meinung ist, der Mensch sei einzig und allein ein von Egoismen getriebenes und nicht gleichzeitig auch ein von sozialen Impulsen inspiriertes Wesen. Aber wenn es letztlich in ernster Weise drauf ankommt, liegt halt doch zuallermeist allen das je eigene Hemd am nächsten.