Heinz Angehrn

Splendid Isolation

(Dieser Text erscheint hier nur einige Tage und auch ohne Kommentarfunktion. Der Schreibende ist Theologe/Philosoph und nicht Politikwissenschaftler, deshalb stellen diese Gedanken eine Privatmeinung dar und beanspruchen per se keine Allgemeingültigkeit.)

Ich stelle fest:

– In den USA (das Land, das meine Grosseltern und Eltern als Vorbild gesehen hatten) sind ein gewählter Präsident, seine Berater und seine Regierung daran, die demokratisch-liberalen Grundsätze, auf denen dieses Land 1776 aufgebaut wurde, über den Haufen zu werfen und ab absurdum zu führen und dabei den europäischen «Gründerstaaten», aus denen damals die ersten Siedler und Denker kamen, vorzuwerfen, deren Ordnung sei illiberal und undemokratisch. Wer sich an meine (hier recht bestrittenen) Gedanken vom November erinnert, kann sich vorstellen, was ich von solcher Demokratie halte.

– In unserem östlichen Nachbarland hat eine Partei die Parlamentswahlen gewonnen und fast den Kanzler gestellt, die die Errungenschaften der europäischen Einigung nach dem Krieg (an dem Österreich massgeblich beteiligt war, und das nicht als Opfer), die der ökologischen Erneuerung unserer Energiestrategie und die der Rücksichtnahme auf die gesellschaftlichen Minderheiten wieder rückgängig machen wollte. 28% der Bevölkerung! Nur mit Ach und Krach konnte eine Übernahme der Macht im Sinne der Ereignisse am Ende der Potsdamer Republik verhindert werden, indem sich Schwarze, Rote und Gelbe notverbünden mussten.

– In unserem nördlichen Nachbarland spielt sich gerade Ähnliches, wenn auch zahlenmässig nicht so dramatisch ab. 20,8% der Bevölkerung! Und haben Sie die Rede von Herrn Baumann (Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD) nach der gewonnenen Abstimmung von CDU/CSU, FDP und AfD noch im Kopf, gerichtet an die andere Hälfte des Parlaments: «Sie werden uns noch kennenlernen». Vor dem Hintergrund von 1933 wissen wir ja, was das heissen könnte: Prügeltrupps und Straflager für Linke, Grüne und andere Unbotmässige und üblere Massnahmen mehr.

Da bin ich froh, Bürger und Einwohner der Confoederatio Helvetica zu sein, regiert von einer permanenten grossen Koalition aller staatstragenden Parteien, in einem System, das durch Referenden und Initiativen sowie durch ein extremes Subsidiaritätsprinzip ständig daran gehindert wird, totalitär-absolutistisch zu werden. Ich habe mit der SVP wirklich in vielem gar nichts am Hut, aber eines ist mir mit Blick auf die grosse Abstimmung in ein paar Jahren klar: Lieber Splendid Isolation als irgendeine Form der Teilnahme an einem für diktatorische Tendenzen so anfälligen Gebilde.

24. Februar 2025 | 06:00
von Heinz Angehrn
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