Die Werte offener Gesellschaften
Karl Popper (wie auch Hanna Arendt) entwickelte seine philosophischen Ansätze nicht am intellektuellen Reissbrett (was man etwas oberflächlich von Thomas von Aquin und Immanuel Kant sagen könnte), sondern beeinflusst durch die biographischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihm das Leben zu-fallen und zu-muten liess. Anders als bei Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche war es auch nicht primär seine Persönlichkeitsstruktur, die dazu beitrug, sondern seine Stammes-Zugehörigkeit zur jüdischen Religion und Kultur. Zum Judentum gehören heisst zu den potentiellen Opfern von Gewaltdenken und Gewaltanwendung zu gehören, ein Schicksal, das ihn dann wieder mit Ludwig Wittgenstein verbindet, dem er ja durchaus ambivalent gegenüberstand. (Anders als Popper war Wittgenstein als homosexuell Fühlender allerdings gleich doppelt betroffen.)
Als systematisch denkendes und argumentierendes Mitglied dieser Minderheit war Popper aufmerksamer und kritischer totalitären Gedankenwelten und -Systemen gegenüber als andere seiner Zunft. Sauber arbeitet er heraus, inwiefern solche Systeme den Menschen lieber als Untertan denn als autonomes Subjekt und Gestalter seiner selbst sehen und ihn notfalls dazu umerziehen wollen. Mag sein, dass Popper bei Plato etwas gar spekulativ vorgeht (die historische Distanz ist wohl zu gross), bei Hegel und Marx ist er voll in der Neuzeit und in der Vorbereitungszeit der totalitären Systeme des 20.Jahrhunderts angekommen. Hegel aussen rechts und Marx aussen links bahnen an, was zunächst Wilhelm II. und Lenin und dann ihre späteren Nachfolger Hitler und Stalin umsetzten. Es spielt auch keine Rolle, ob deutscher Faschismus oder sowjetischer Kommunismus, die Spiele der Macht sind die selben: Ein starker Staat mit einem allmächtigen Führer, die Uniformierung und ideologische Gleichschaltung der Bevölkerung, das Unterdrücken von Individualität bis hin zur Inhaftierung und Exekutierung der gefährlichen Unbotmässigen, Einheitsmedien und allmächtige Propaganda, und dann Expansionskrieg.
Offene Gesellschaften sind viel schwieriger am Leben zu erhalten. Sie glauben nicht an die eine Wahrheit und den/die eine Führer/in. Sie respektieren eine Vielfalt an Weltanschauungen, Lebenskonzepten und Wert-Hierarchien, ja sie schützen sie, solange diese auch in Kant’scher Umkehr die anderen respektieren. Dies gilt insbesondere auch für den Bereich von Glaube und Religion. Offene Gesellschaften stehen auf dem Boden der Wertordnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Offene Gesellschaften brauchen «law and order» nur, um ihre schwächsten Mitglieder zu schützen. Offene Gesellschaften sind ganz eindeutig wertliberale Gesellschaften. Und sie werden immer wieder angefeindet und bedroht von geistigen und materiellen Usurpatoren, die geschickt ihre Toleranz ausnützen, um Intoleranz zu schaffen.
Das meinte der jüdische Denker mit seinem Begriff. Ob die katholische Kirche in ihrer jetzigen Form diesem Ideal entspricht? Kaum. Ob Putins orthodoxe Kirche es tut? Keinesfalls. Ob es die Ultraorthodoxen in Israel und die Islamisten im Iran es tun. Sicher nicht. Ob es die Schweiz des Jahres 2025 tut? Diskutieren sie mit.
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stadler karl sagt:
Ja, es gibt verschiedene Lesarten, was den Dialog “Der Staat” von Platon betrifft. Tatsache ist aber, und das geht auch eindeutig aus seiner gesellschaftstheoretischen Publikation “Die offene Gesellschaft…” hervor, dass er unter philosophischen Aspekten Platon als einen genialen Denker schätzte, als einen der grössten Denker in der abendländischen Philosophiegeschichte. Er hat ihn also keineswegs auf billige Weise einer Kritik unterzogen oder als durchschnittlichen Denker abgetan. Er hat sich allerdings auch nicht zu einer überspitzten Aussage verstiegen, wie z.B. Alfred North Whitehead, der einmal sagte, dass im Grunde die abendländische Philosophie aus lauter Fussnoten zu Platon bestehe.
Dass in der abendländischen Geistesgeschichte Hegel und Marx, bei allem Unterschied zwischen ihnen, für Denkungsarten stehen, aus denen sich in Gesellschaft und Politik ideologisch leicht autokratische Grundhaltungen ableiten und entwickeln lassen, sowohl mit linker wie rechter Schlagseite, mit dieser Überzeugung steht Popper weiss Gott nicht allein in der philosophischen Landschaft.
Dass Poppers Ablehnung bezüglich der elitären Haltung eines Platon wie auch etwa von Marx, keineswegs so abwegig erscheinen muss, zeigt gerade auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Denkt man z.B. an Martin Heidegger, ein ebenfalls genialer, mit philosophischer Originalität ausgestatteter Denker, Lehrer nicht nur von angehenden Philosophen, sondern auch von manchen Theologen von Rang und Namen, auf die er ebenfalls Wirkung entfaltete, wie z.B. auf Karl Rahner, dann gibt dessen Haltung während des Anfangs der Naziherrschaft, – problematisch teilweise auch in späterer Zeit, wenn man die Schwarzen Hefte liest – insbesondere seine Befürwortung des “Führerprinzips” auch in der geistig-intellektuellen Welt in seiner berühmt-berüchtigten Rektoratsrede in Freiburg anno 1933, zu riesiger Verunsicherung Anlass. Jedenfalls erscheint es gänzlich nachvollziehbar, wenn Hans Jonas, der ja bei Heidegger promovierte, in seinen “Erinnerungen” einmal schrieb: “Heidegger ist, was die Originalität des Denkens betraf, eine gewaltige Figur der Geistesgeschichte, ein Bahnbrecher, der Neuland erschlossen hat. Das Einschwenken des tiefsten Denkers der Zeit in den tosenden Gleichschritt der braunen Bataillone erschien mir als katastrophales Debakel der Philosophie, als welthistorische Blamage, als Bankrott philosphischen Denkens…”.
Und wenn ein Jean Paul Sartre, ebenfalls ein brillanter philosophischer Denker, der den Wert der Geschwisterlichkeit der Menschheit auch in seinen späten Lebensjahren nach aussen hoch hielt, sich damals 1968 und in den Folgejahren von den Maoisten in Frankreich vereinnahmen liess, einer Ideologie und politischen Grundhaltung, die in China unter Maodsedong nicht Millionen, sondern zig-Millionen Menschen das Leben kostete, dann lässt das gewiss aufhorchen. Denn genau solche Gefahren beinhaltet die analytische Kritik von Popper an Platon und manchen anderen Philosophen und deren “elitärer” Denkweise.
Und im gleichen Sinn liesse sich die Kritik Poppers auf gewisse zeitgenössische, im 21. Jahrhundert relevante politische Entwicklungen beziehen, wenn in manchen demokratischen Staaten, so leider auch in Israel, manche politische Tendenzen sich dahingehend stark machen, dass rechtsstaatliche institutionelle Einrichtungen, die der für demokratische Prozesse grundlegenden Gewaltenteilung dienen, zu untergraben; wenn ein selbst ernannter rechter Vordenker und ehemaliger Nationalrat, der in der Schweiz ein Medienorgan besitzt, uns halbwegs einreden will, dass der Angriffskrieg in der Ukraine letztlich nur auf illegitime US-imperialistische Aktivitäten zurückzuführen sei; wenn partikulare Ideologien an Universitäten die Freiheit des Lehr- und Wissenschaftsbetriebes zu stören oder zu vereinnahmen suchen; wenn in Teilen des Kulturbetriebes im Westen gegen Israel gerichtete delegitimierende Stimmung verbreitet wird oder wenn in manchen politischen Lagern auch ausgeblendet wird, dass die Migration aus dem mittleren Osten teilweise auch massiven Import von Antisemitismus beinhaltet.
Es wird immer schwieriger, sich verlässlich zu orientieren. Jedenfalls scheint mir persönlich Popper auch in gesellschaftspoltischer Hinsicht immer noch äusserst aktuell.
Michael Bamberger sagt:
“Popper warf Platon vor, er sei der philosophische Verfechter der geschlossenen Gesellschaft und habe damit den Grundstein für den Totalitarismus gelegt. In seiner Politeia verriet Platon die offene und kritische Haltung seines Mentors Sokrates und entwickelte ein ausgeklügeltes System, das alle politischen und sozialen Veränderungen aufhalten und die Philosophie zu einem Vollstrecker statt zu einem Herausforderer der Autorität machen sollte. Es sollte auch die Flut des Individualismus und Egalitarismus umkehren, die im demokratischen Athen aufgekommen war, und ein hierarchisches System etablieren, in dem die Freiheit und die Rechte des Einzelnen den kollektiven Bedürfnissen der Gesellschaft geopfert würden. Popper stellte fest, dass Platons utopische Vision der Republik teilweise von Sparta inspiriert war, dem Feind Athens im Peloponnesischen Krieg und für Popper ein Musterbeispiel für eine geschlossene Gesellschaft. Die spartanische Gesellschaft konzentrierte sich fast ausschließlich auf zwei Ziele: innere Stabilität und militärische Stärke. Um diese Ziele zu erreichen, versuchte die spartanische Verfassung, eine bienenstockartige, kriegerische Gesellschaft zu schaffen, die immer die Bedürfnisse des Kollektivs gegenüber denen des Einzelnen bevorzugte und eine nahezu vollständige Kontrolle über ihre Bürger forderte. Dazu gehörte eine primitive Eugenik, bei der Neugeborene, die als nicht kräftig genug erachtet wurden, in eine Wassergrube geworfen wurden. Spartanische Männer, die als gesund genug erachtet wurden, um am Leben zu bleiben, wurden in jungem Alter von ihren Familien getrennt und erhielten eine Ausbildung, die hauptsächlich aus militärischer Ausbildung bestand. Die Ausbildung brachte furchterregende Krieger hervor, die Leiden gleichgültig gegenüberstanden, sich der Autorität unterwarfen und der Stadt gegenüber unerschütterlich loyal waren. Der Kampf für die Stadt war eine Ehre, die ausschließlich den männlichen Bürgern zuteil wurde, während die entwürdigende Arbeit der Landbestellung einem versklavten Stamm von Landsleuten, den Heloten, vorbehalten war. Den Bürgern wurde strenge Zensur auferlegt und es gab Gesetze, die den Kontakt mit Ausländern streng einschränkten. Unter diesem System wurde Sparta zu einer dominierenden Militärmacht im antiken Griechenland, leistete jedoch, wenig überraschend, keine bedeutenden Beiträge zu Kunst und Wissenschaft. Popper beschrieb Sparta als einen „verhafteten Tribalismus“, der „egalitäre, demokratische und individualistische Ideologien“ wie sie in Athen zu finden waren, zu unterbinden suchte ( Open Society Vol. 1 , 182). Es sei kein Zufall, sagte er, dass auch die Nazis und andere moderne Totalitaristen sich von den Spartanern inspirieren ließen.” (Internet Encyclopedia of Philosophy)
Vgl. dazu auch den “Import des Platonismus ins Christentum”, den Herbert Schnädelbach in seinem berühmten Essay als eine der sieben Todsünden des Christentums bezeichnete.
Stadler karl sagt:
Das wird alles über weite Strecken zutreffen. Das Paradoxe an dieser historischen Gegebenheit ist anderseits wieder, dass die rechtliche Stellung der Frauen in Sparta wahrscheinlich eine gehobenere und stärkere war als im kulturell hochstehenderer und gebildeteren Athen.
Daniel Ric sagt:
Wie bereits in einem früheren Kommentar formuliert, halte ich die Kolumne von Herrn Angehrn zu den sogenannt offenen Gesellschaften (diese und die letzte) für inhaltlich äusserst schwach. Auch die obigen Kommentare von Herrn Stadler und Herrn Bamberger, die inhaltlich sicherlich ausgereifter sind als die Gedanken von Herrn Angehrn, verfehlen das Ziel. Weder Athen noch die westlich-“liberalen” Gesellschaften waren pazifistisch, sondern meist auf Unterdrückung und Dominanz gegenüber anderen Staaten aus. Man kann nicht sein eigenes Weltbild schützen, indem man historische Fakten relativiert. Wer sich nur die Kriege in den letzten 25 Jahren betrachtet, wird schnell feststellen, dass hier ganze Nationen ins Elend gestürzt wurden, weil “offene Gesellschaften” wie die USA, Grossbritannien und Frankreich ihre Werte exportieren (und natürlich viele Rohstoffe billig importieren) wollten. Auch der aufgeklärte Imperialismus des 19. Jahrhunderts, bei dem ebenfalls argumentiert wurde, der weisse Mann müsse das Licht des Westens in die Welt tragen, war nicht von Nächstenliebe und Pazifismus geprägt. Ich bin äusserst glücklich, dass im 21. Jahrhundert die Zeiten vorbei sind, in denen kleine europäische Nationen ganze Weltgegenden unterjochten.
Als Nicht-Sozialist, der aber Volkswirt ist und versucht, die Leistungen der Ökonomen und Sozialphilosophen objektiv zu bewerten, möchte ich allen empfehlen, die Würdigung Schumpeters zu lesen, die er in seinem Werk “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” zu Marx geschrieben hat. Marx als Vordenker eines totalitären Systems zu sehen, ist völlig falsch. Er war vor allem ein grosser Ökonom, dessen Annahmen zwar falsch waren, die aber nicht falscher waren als die Annahmen anderer klassischer Ökonomen (wie Smith oder Ricardo). Zu Hegel lässt sich bemerken, dass viele Rechtsphilosophen, die dem Kommunitarismus nahestehen, sich auf ihn berufen.
Mein grösstes Problem mit den Auffassungen von Herrn Angehrn habe ich bereits beim Kommentar erwähnt, den ich zu seiner letzten Kolumne geschrieben habe. Wie definiert sich eigentlich die offene Gesellschaft, die Herrn Angehrn befürwortet? Die Menschen dürfen nicht Trump, Orban oder andere Politiker wählen, die Herrn Angehrn nicht passen, sie dürfen nicht zu religiös sein, sie müssen alle Trends zu gesellschaftlichen Themen wie gleichgeschlechtliche Ehe, Abtreibung und Gender mittragen, etc. etc. Was ist eigentlich an dieser so offenen Gesellschaft so offen, wenn es nur eine politisch korrekte Meinung gibt, die alle zu teilen haben?
Michael Bamberger sagt:
Wesentliche Merkmale einer offenen Gesellschaft:
Meinungsfreiheit und Pluralismus:
Vielfältige Meinungen, Überzeugungen und Lebensstile werden akzeptiert und respektiert. Es gibt keine einheitliche Ideologie, die allen Bürgern vorgeschrieben wird.
Demokratische Institutionen:
Politische Macht wird durch freie, faire und regelmäßige Wahlen legitimiert. Die Gewaltenteilung sichert eine Kontrolle der Macht und schützt vor autoritärer Herrschaft.
Rechtsstaatlichkeit:
Gesetze gelten für alle Bürger gleichermaßen, und es gibt unabhängige Institutionen, die die Einhaltung der Gesetze gewährleisten. Grundrechte wie Menschenrechte werden geschützt.
Toleranz und Minderheitenschutz:
Minderheiten und deren Rechte werden geschützt. Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder anderen persönlichen Merkmalen wird abgelehnt.
Offenheit für Veränderung und Kritik:
Gesellschaftliche Entwicklungen und Fortschritte sind erwünscht. Kritik an bestehenden Normen und Strukturen wird akzeptiert und gefördert.
Wissenschaft und Rationalität:
Wissen und Entscheidungen basieren auf Fakten, rationaler Argumentation und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Gegensatz: Geschlossene Gesellschaft
Eine geschlossene Gesellschaft hingegen ist geprägt von dogmatischen Überzeugungen, autoritärer Kontrolle, eingeschränkter Meinungsfreiheit und Intoleranz gegenüber abweichenden Ansichten.
Daniel Ric sagt:
Jede Nation basiert auf Ideologie, da sie ansonsten auseinanderbrechen würde. Nationen sind ja künstliche Produkte, die gerade den wissenschaftlichen Fakten, die Sie für offene Gesellschaften in Anspruch nehmen, widersprechen. Es gibt biologisch keinen Unterschied zwischen einem Schweizer und einem Franzosen, genauso wenig gibt es grosse Unterschiede zwischen einem Kenianer und einem Engländer. Beide gehören zur Gattung Mensch und können Nachkommen haben. Trotzdem werden seit 200 Jahren durch Mythen, geschichtliche Narrative und den Glauben, die eigenen Werte sind derjenigen der anderen Nation überlegen, künstliche Gebilde aufrechterhalten, um politische und ökonomische Macht zu konzentrieren und über andere Länder zu herrschen.
Was die Demokratie anbelangt, so kann ich nicht verstehen, weshalb alle Vorbehalte, die von den alten Griechen vorgebracht wurden, heutzutage negiert werden. Man muss doch unterscheiden zwischen einer wahren Volksherrschaft und einer Ochlokratie, der Herrschaft des Pöbels, dem durch Demagogen vorgespielt wird, man verfolge die Interessen des Volks. Ich behaupte nicht, dass alle Versuche, demokratische Ordnungen herbeizuführen, gescheitert sind. Aber es ist für mich doch fragwürdig, weshalb man nicht fähig ist, kritischer auf das eigene System zu blicken und sich zu fragen, ob dieses tatsächlich dem Ideal der Volksherrschaft entspricht. Sie sprechen richtigerweise die Gewaltenteilung an, die für mich ganz wesentlich ist für eine Demokratie. In der Schweiz wird beispielsweise die halbdirekte Demokratie so hochgejubelt, ohne sich zu überlegen (früher gab es Denker, die dies angesprochen haben, heute sind sie verstummt), dass ja das Volk durch Referenden und Initiativen vor allem die Legislative schwächt, da es die eigenen Volksvertreter, die gewählt wurden, in ihren Möglichkeiten, Gesetze zu erlassen, eingrenzt. Wenn jemand behauptet, in der Schweiz habe das Volk mehr Macht als in anderen Ländern, da es Gesetzesvorlagen ablehnen darf, zeigt dies ein fehlendes Verständnis von den Mechanismen der Gewaltenteilung.
Was die Wissenschaft anbelangt, so ist diese interessengeleitet. Es gibt nie so etwas wie objektive Wissenschaft, daher ist dieser Anspruch illusorisch. Und wer sich den Zustand der heutigen Universitäten betrachtet, wird sicherlich nicht behaupten können, es gäbe heute eine grössere geistige Freiheit als in früheren Zeiten.
Minderheiten: Ich erinnere daran, wie in der so offenen Schweizer Gesellschaft bis in die 70er hinein mit Zigeunern umgegangen ist. Weiter möchte ich daran erinnern, wie heutzutage massenweise Eugenik betrieben wird, indem Kinder mit einer Behinderung abgetrieben werden. Auch sei daran erinnert, dass Menschen am Lebensende, wenn sie nicht mehr dem Leistungsideal der Gesellschaft entsprechen, in eine Situation gebracht werden, in der sie nur noch den Selbstmord als einzigen Ausweg sehen. Wie werden wohl zukünftige Generationen über uns urteilen?
Mir geht es nicht darum, alles schlechtzureden, aber ich finde, es ist an der Zeit, einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft zu werfen und uns auch zu fragen, inwiefern wir uns nicht einer Selbstlüge hingeben, wenn es um die Beurteilung unserer Zivilisation geht.
Michael Bamberger sagt:
Wow, geballter Kulturpessimissmus!
Stadler Karl sagt:
Ich teile Ihre Beurteilung der relevanten Kriterien voll und hanz.