Literatur wird lebendig
Gestern Abend der dritte Leseabend in der diesjährigen Reihe «Bibel und Literatur» im Figurentheater St.Gallen. Matthias Flückiger las Reinheitsgesetze zum Umgang mit Tieren aus Leviticus; Thomas Buddenbrooks grosse Strafrede an seinen Bruder Christian, warum der nicht zur Familie gehöre (bzw. was ihrer Reinheit diene und was nicht); kurze Abschnitte aus «Andorra» zum Thema, ob nun Andri ein Jude sei oder nicht (Erkennt man den, der ganz anders ist und der nicht dazu gehört? Erkennt er sich selber?); die Zurückweisung der kanaanäischen Frau durch Jesus mit der Erhörung ihrer Bitte; und – last but not least – jenseits von Eden den biblischen Text von Kain und Abel (Gott weiss, dass der Mensch um Gut und Böse weiss und schickt ihn ins reale Leben. Und das verläuft bipolar.) sowie die Schluss-Szene aus Steinbecks Werk (Ist das nun Versöhnung/Vergebung? Bleibt das Kainsmal auf Cals Stirne?). «Timschall» – dieses von Adam Trask mehr gehauchte als gesprochene Wort verblieb im Raume, als sich die Anwesenden zur Diskussion beim Apéro trafen. «Ausgrenzungen – Familiengeschichten» war der Titel an diesem Abend. Und alle sie, die, die ausgegrenzt wurden, und die, die ausgrenzten, erhielten Stimme, Gestalt und Gewicht. Spannend!
PS: 4.Leseabend zum Thema «Dialog» am 9.Februar, wieder im Figurentheater St.Gallen um 18.15 Uhr.
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