Wie steht es mit der Sicherheit Israels?
Bekanntlich feierte der berühmte Genfer Soziologe Jean Ziegler kürzlich seinen 90. Geburtstag. Eine Gelegenheit, das eine oder andere seiner zahlreich, weltweit zur Kenntnis genommenen Bücher wieder in die Hand zu nehmen. Im Buch «Der schmale Grad der Hoffnung» (2016) erinnert sich der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung an seinen Besuch in Israel/Palästina.
Über die Lage in den besetzten Gebieten referiert er gegenüber einem israelischen General: «Wir sind durch die Gebiete gefahren. Die unzähligen Strassensperren, die Erdwälle, die die Fahrbahn durchschneiden, die Checkpoints machen den Handel zwischen den Dörfern und Städten äusserst schwierig, fast unmöglich. Die Bauern können nur an bestimmten Tagen auf ihre Felder und auch dann nur einige Stunden lang.»
Der General unterbricht Ziegler: «Sie sind Schweizer. Sie begreifen gar nichts. Wir sind im Krieg! Ich habe den Auftrag, die Sicherheit Israels zu garantieren.»
Jean Ziegler entgegnet: «Die Lastwagen mit Tomaten, Melonen, Zitronen, Orangen, Karotten, Radieschen, die vor den Strassensperren verrotten, haben nicht das Geringste mit der Sicherheit Israels zu tun. Damit verschlimmert man einfach die Unterernährung in den Gebieten und richtet die Bauern zugrunde.»
Seither sind etliche Jahre vergangen. Wie ich verschiedenen Quellen erfahre, ist die Situation noch schlimmer geworden. Und immer wird jede Repression mit der «Sicherheit» Israels begründet.
Gewiss, diese Sicherheit ist bedroht. Aber jede Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung damit zu begründen, ist wenig glaubhaft. Ein blosser Vorwand! Oder genauer: Der Versuch, die Lage der Palästinenser zu verschlechtern, dass diese ihre uralte Heimat verlassen …
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stadler karl sagt:
Der “UNO-Sonderberichterstatter” Jean Ziegler war längst nicht in allen Fällen ein verlässlicher Berichterstatter, auch wenn er alle Welt bei der UNO kannte. Insbesondere ging ihm in dieser Funktion nicht selten die Neutralität und fachliche Distanziertheit ab. Das zeigte sich auch jüngst wieder im Zusammenhang mit seinen Äusserungen bezüglich des Krieges in Gaza, wo er kaum einen Monat nach dem brutalen Massaker vom 7. Oktober sich berufen sah, sich dazu zu äussern. Er wird im Übrigen von der israelischen Linke auch nicht besonders ernst genommen. Aber für die einseitig verzerrte Stimmungsmache und Propaganda gegen den Staat Israel mittels Verdrehung von Tatsachen und das Verschweigen, wer letztlich für die katastrophale Lage der Menschen in Gaza verantwortlich ist, reicht er für einen kirchlichen Blog alleweil.
Michael Bamberger sagt:
Jean Ziegler: Unterstützer von Diktatoren wie Gaddafi, Robert Mugabe und Fidel Castro.
Jean Ziegler: Unterstützung der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD).
Jean Ziegler, Zitat 2012: : «Der deutsche Faschismus brauchte sechs Jahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen. Der Neoliberalismus schafft das locker in gut einem Jahr.»
…etc., etc…
ludin sagt:
Die Kommentatoren machen es sich zu einfach, indem sie die Glaubwürdigkeit des international höchst angesehenen Jean Ziegler anzweifeln. Damit greifen sie überdies ins Leere. Dann was Ziegler in meinem Blog über die Schikanen gegenüber den Palästinensern erzählt, ist in unzähligen Berichten bezeugt.
Darum, meine lieben Herren: Werdet wesentlich und kommentiert das Vorgehen Israels. Dient es wirklich zur Gewährung der Sicherheit. Oder ist es Mobbing.
Ich erwarte von euch eine konkrete Antwort. Sonst verspielt IHR eure Glaubwürdigkeit ….
Pia Tschupp sagt:
Angesichts der ungezählten Getöteten, Verschütteten, Vergessenen, Obdachlosen, Traumatisierten und Vertriebenen der letzten 216 Tage frage ich mich, wie es kommt, dass wir hier im Westen uns derart schwer tun, die aktuellen Tatsachen im Nahen Osten wahrzunehmen, sie gar zu benennen. Als könnten wir dadurch das (Welt)geschehen ungeschehen machen. Nur Feigheit kann es wohl nicht sein …
Michael Bamberger sagt:
Konkrete Antwort @ Walter Ludin
Meine Kritik an Israel betrifft hauptsächlich diese beiden Schwerpunkte:
– Die unsägliche Siedlungspolitik, die sich kaum von der imperialistisch kolonialistischen Politik der Europäer vor dem letzten Jahrhundert unterscheidet.
– Das politische Ungleichgewicht der ultrakonservativen religiösen Eiferer, die fast jeden Staatschef lsraels mehr oder weniger am Gängelband führten und führen.
ludin sagt:
Danke für diesen Kommentar!
Michael Bamberger sagt:
Die Lösung lautet meiner Meinung nach wie folgt:
Keine zwei Staaten, da der Konkurrenzkampf und der religiöse Zwist endlos zwischen den zwei Staaten weitergehen wird.
Deshalb also ein einziger Staat der Israelis und der Palästinenser, ein gemeinsames Land, welches Israel, das Westjordanland und Ost-Jerusalem umfasst und gemeinsam demokratisch und säkular (vollkommene Trennung von Staat und Religion) regiert wird.
Was ist eure Meinung dazu?
Stadler karl sagt:
Herr Ludin, was die Sicherheit anbelangt, traue ich den Aussagen eines israelischen Generals einiges mehr als den propagandistischen Schilderungen eines Jean Ziegler.Und wenn Sie das Sicherheitsbedürfnis der Israelis als durch das Militär als übertrieben herbeigeredet deklarieren, dann erwähnen Sie bitte auch die Attentate, die in Israel bei jeder Sicherheitslücke praktisch wöchentlich merhrmals auf vöilig unbeteiligte Zivilpersonen ausgeführt werden. Europa würde längst aus dem Häuschen geraten. Und verschweigen Sie auch nicht, dass die Palästinenser in früheren Jahren bereits mehrmals von den Israelis das Angebot einer Zweistaatenlösung offeriert bekamen, das praktisch über 95% des palästinensischen Gebietes beinhaltet hätte. Das erste mal wohl verstanden zu einem Zeitpunkt, als noch ganz wenige Israelis in der Westbank siedelten. Was war die Antwort? Blanker palästinensischer Terror. Dass die Siedlungspolitik in keiner Weise legitim ist, da stimme ich völlig Ihnen zu. Und dass mittlerweile auch re htsextreme, nationalreligiös Minister bei Netanjahu in der Regierung hocken und Schaden anrichten, auch da stimme ich Ihnen zu. Keine Frage.Aber es ist letztlich nicht die eigentliche erste Ursache
des Problems. Und eine Kritik an der Siedlungspolitik ist solange nicht glaubwürdig, als starke palästinensische Kräfte dem Existenzrecht eines jüdischen Staates Israel völlig ablehnend gegenüber stehen.
Hansjoerg sagt:
Es ist sicher nicht richtig, alle Palästinenser mit Hamas gleich zu setzen. Dennoch fehlt mir bei all den obigen Kommentaren eine Aussage zu Hamas.
Hamas will Israel vernichten. Somit tut Israel gut daran, alles zu unternehmen, dass das nicht passiert. Hamas könnte den jetzigen Krieg sofort beenden, indem sie die Geiseln frei lassen und die Waffen nieder legen.
Aber die Hamas Leute verstecken sich lieber in der Bevölkerung, in den Spitälern und Schulen. Die Führung der Hamas lässt es sich in den Luxus-Hotels von Katar gut gehen und lässt dafür die eigene Bevölkerung leiden.
ludin sagt:
Woran wieder einmal erinnert werden darf: Israel hat die Hamas lange Zeit toleriert, um die palästinensische Gesellschaft zu spalten; konkret um die PLO von Arafat zu schwächen. So wie die USA die Taliban unterstützt hat, um die Russen zu bekämpfen …. Die Saat ging an beiden Stellen auf, anders als erwartet.
stadler karl sagt:
Völliger Unsinn, Herr Ludin, den Sie da daherreden! Der konservative Ariel Scharon liess Gaza 2005 von sämtlichen irsaelischen Siedlern räumen, zog das Militär aus dem Gaza-Streifen gänzlich ab und dies gegen innerisraelischen Widerstand. Übrigens in der Überlegung, dass Gaza quasi ein Prototyp eines palästinensichen Staates sein könnte. Was war die Folge? Die Hamas, in deren Charta nach wie vor das Ziel vernakert ist, den israelischen Staat auszuradieren, kamen an die Macht, verdrängten nach einem innerpalästinensischen Bürgerkrieg die Fatah und begannen 2007, das israelische Kernland mit Raktenterror einzudecken. Wohl verstanden, erst dann begann die allmähliche Abschnürung von Gaza. Damals hockten noch keine rechtsaussen und nationalreligiöse Minister in der israelischen Regierung. Was Sie da verzapfen ist Geschichtsklitterung!
ludin sagt:
Wäre der Kommentar ein Aufsatz würde ich antworten: “Thema völlig verfehlt!” Denn es ging mir im Text keineswegs um die Geschichte der Hamas im Ganzastreifen. Sondern schlicht und einfach um die Tatsache, dass Israel einst bevorteilte, um die POL zu schwächen. Ich habe es an Ort und Stelle während der Intifada I. erfahren: Schmierereien der POL mussten sofort entfernt werden; jene der Hamas durften bleiben.
Daniel Ric sagt:
Ich bin Walter Ludin dankbar, dass er sich für den Frieden einsetzt. Bei Tausenden Menschen, die in diesem Krieg gestorben sind, sollte es für einen Christen selbstverständlich sein, Frieden einzufordern. Aber leider ertragen einige Menschen die gesunde Lehre nicht, wonach jedes menschliche Leben gleich zählt. Ein Moslem hat genau das gleiche Recht auf Leben wie ein Christ oder ein Jude. Wir können nicht das Leid eines Volkes gegen das andere ausspielen. Als Christen verlieren wir jede moralische Autorität, wenn wir zusehen, wie tagtäglich Tausende von Menschen unter diesem Krieg leiden, und wir nicht zumindest versuchen, den Frieden als eine mögliche Option ins Spiel zu bringen.
Michael Bamberger sagt:
“Der Wegbereiter für die Brüller von Hamas-Parolen – Jean Ziegler ist ein Postkolonialist avant la lettre – Radikale linke Aktivisten sorgen seit dem 7. Oktober für Aufsehen. Jean Ziegler ist ein Wegbereiter für die Ideologie derer, die derzeit an Universitäten Hamas-Parolen brüllen.” (NZZ 2.5.2024)