Straft Gott?
Wir haben es unzählige Male gehört: «Gott straft.» Diese Drohung war nicht selten ein Erziehungsmittel, vor allem in der sogenannten «schwarzen Pädagogik», die «Erziehungsmittel wie Gewalt, Einschüchterung und Erniedrigung» (Wikipedia) verwendete. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an meine Lieblingstante Marie, an sich eine einfühlsame Frau. Als ich sie einmal besuchte, donnerte es gerade. Marie sagte zu ihren Enkelkindern: «Hört ihr? Gott ist zornig!»
Ein anderes, sehr bekanntes Beispiel, in dem mit einem strafenden Gott argumentiert wurde: die Aids-Problematik. Der Chefredaktor einer kirchennahen Zeitung erklärte in einem Leitartikel deutlich: «Aids ist eine Strafe Gottes für die Sünden der Homosexuellen.» Schon damals, vor 40 Jahren, wurde ihm heftig widersprochen. Und zur gleichen Zeit gab es in einem kirchlichen Heim einen Seelsorger, der pauschal behauptete, Krankheiten seien eine Folge von Sünden. Das Pflegepersonal war entsetzt.
Sollen wir also Abschied nehmen vom Bild eines zürnenden, strafenden Gottes? Oder polemisch gefragt: Sollen wir Gott einen lieben, alten, harmlosen Mann sein lassen? Womöglich mit einem langen, grauen Bart? Die Sache ist nicht so einfach. Die Bibel, vor allem das Alte Testament, kennt durchaus einen strafenden Gott. Denken wir doch an die Sintflut. Auch die alttestamentlichen Propheten argumentieren mit der Strafe Gottes für den Abfall des Volkes Israel.
Es lohnt sich, kurz die Denkweise der Propheten Gottes anzuschauen. Sie warnten das Volk und vor allem auch die Regierenden vor den Folgen ihres verfehlten Tuns. So etwa: «Wenn ihr weiterhin auf Waffen vertraut, wenn ihr euch mit einem kriegslüsternen Nachbarvolk verbündet, werdet ihr in Kriege verwickelt und geht unter.» Das heisst: Vergesst nicht, euer Tun wird Konsequenzen haben.» Im Vordergrund steht also nicht ein strafender Gott, sondern die Warnung: «Wenn ihr so weitermacht, wird’s euch schlecht ergehen.»
Zurück zur Sintflut: Es ist nicht zu übersehen, dass die Bibel sie als Werk eines strafenden Gottes sieht. Auch andere seiner «Strafaktionen» sind nicht zu leugnen. Dennoch: Es wäre falsch, den Gott Israels bloss als einen strafenden zu sehen – und im Gegensatz dazu den Gott Jesu als den barmherzigen. Es gibt im Alten Testament zahlreiche Zeugnisse eines liebevollen, ja zärtlichen Gottes.
Nun die entscheidende Frage: Welches Gottesbild ist richtig, jenes eines strafenden oder das eines liebenden Gottes? Eine Antwort kann uns der Blick auf Jesus geben. Anders als der zitierte Heimseelsorger weigerte er sich, Krankheit als Folge der Sünde zu sehen. Statt ihnen Schuld vorzuwerfen, wendet er sich Kranken heilend und aufrichtend zu.
Die Gefahr eines strafenden Gottes aber macht krank statt zu heilen. In letzter Zeit wurden wir ja dauernd konfrontiert mit Menschen, die früher als Kinder und Jugendliche unter den Drohungen eines bösen Gottes litten – und vielfach sich Verletzungen zuzogen, die bis heute nicht geheilt sind. Dazu Helmut Jaschke, Pädagoge und Theologe: «Das Bild des richtend-strafenden Gottes macht am ehesten Menschen krank, die durch eine besitzergreifend-kontrollierende Erziehung schon angstfixiert sind und kaum Selbstwertgefühl entwickeln können.»
Die beste Korrektur der Drohgebärde eines strafenden Gottes gibt uns der Blick auf Jesus als den Guten Hirten, Er ist «das Bild eines Gottes, der in Armut und Bescheidenheit lebte, der sich hingebungsvoll um verirrte und rebellische Schafe kümmerte», und nicht «das Bild eines allmächtigen Richtergottes, der das Fehlverhalten der Menschen straft».
So schreibt die Aargauer Psychologin und Theologin Christiane Blank, die mich mit ihrem neuesten Buch «Kreative Lebensbewältigung in Zeiten des Umbruchs» (Edition NZN bei TVZ) dazu inspirierte, hier dieses Thema zu behandeln. Es ist ein Thema, das heute nicht mehr so dringend ist wie vor 40 Jahren. Doch immer noch wird in christlichen Gemeinschaften wie etwa den Sekten mit einem vergeltenden Gott gedroht.
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Hansjörg sagt:
Gott wird auch alle katholischen Führungspersonen strafen, weil die kath. Kirche Frauen nicht als gleichberechtigte Menschen akzeptiert.
Ilse Sixt sagt:
Bewährungsstrafe für Priester – Münchner Merkur – 20.1.2024
Jede Krankheit hat eine Ursache! In der Institution katholische Kirche sind es die unmenschlichen Rahmenbedingungen der Pflicht zum Zölibat. Junge Männer mit
25 Jahren vom Leben abzuschneiden und zum Neutrum zu erklären, ist Machtmissbrauch und vor Gott nicht zu verantworten. Bei der Aufarbeitung dieser menschlichen Vergehen wird an den Symptomen herumgedoktert, anstatt die Krankheit zu heilen und die vom Menschen eingeführte Pflicht zum Zölibat aus der Welt zu schaffen. Dann dürften auch die Frauen und Kinder der Kleriker ihr Schattendasein aufgeben um sichtbarer Teil von Gottes Schöpfung zu werden und zu sein.
Gnade den Verantwortlichen!
Ilse Sixt – Oberpframmern