Heinz Angehrn

Parallelen

Ich versuche immer noch, den politischen Schock zu verarbeiten. Um besser zu verstehen, habe mich mich wieder einmal quer durch Texte zu den Jahren vor 1932/33 gelesen. Im Goebbels-Artikel in Wikipedia heisst es unter vielem andern auch:
«Bereits seine erste Aktion in Berlin zeigte die Methoden von Joseph Goebbels. Im Berliner Arbeiterbezirk Wedding mietete er einen Saal, der sonst von den Kommunisten genutzt wurde. Die Werbeplakate für die Veranstaltung ahmten die kommunistischen Vorbilder nach. Alle Berliner Mitglieder der NSDAP mussten am 11. Februar 1927 an einem Demonstrationszug durch den Wedding teilnehmen. Damit provozierte er die Berliner Kommunisten, die in ihren Zeitungen «blutige Drohungen» gegen die Veranstaltung der Nationalsozialisten ausstießen. Am selben Tag kam es zur von den Nationalsozialisten erwarteten Saalschlacht. Die Kommunisten versuchten die Veranstaltung zu sprengen, in Reserve gehaltene SA-Leute stürmten aber dann in den Saal und prügelten auf ihre Gegner ein. Goebbels bewahrte auf dem Podium die Ruhe. Nach der Prügelei ließ er die Tragen mit den verletzten SA-Leuten auf die Bühne bringen. Vor dem Publikum drückte er den Verletzten die Hand. In seiner anschließenden Rede stachelte er die Zuschauer auf. In kurzen, stakkatohaften Sätzen würdigte er die SA-Männer und weckte die Empörung der Zuhörer. Goebbels spielte hier sein ganzes rhetorisches Talent aus. Am nächsten Tag berichteten die Zeitungen über die Saalschlacht. Im Parteibüro wurden über 2.600 Mitglieder-Neueintritte beantragt. 500 Männer wollten der SA beitreten. Bei einer weiteren Veranstaltung wurde am 4. Mai 1927 ein Pfarrer von SA-Leuten krankenhausreif geschlagen. Der Polizeipräsident von Berlin verbot daraufhin die NSDAP in Berlin. Goebbels war wieder auf den Titelseiten. Er verstand es in den weiteren Wochen, die Partei als Opfer darzustellen. Er schrieb: «Man begann, uns zu verleumden und zu beschimpfen … Jetzt schäumte der Gegner vor Wut … Wer von Euch hätte je geglaubt, dass wir so stark seien.» … Goebbels nutzte die Situation geschickt für sich aus, indem er sich als Held wie als Märtyrer darstellte. Ein gefälschtes Bild, das ihn in Fesseln zeigte, prangte auf der Titelseite des «Völkischen Beobachters». In mehreren Artikeln schrieb er reißerisch, wie er von Kommunisten verfolgt werde. Geschickt verstand Goebbels es, Opfer in den eigenen Reihen zu glorifizieren, indem er sie zu «Blutzeugen» der Partei machte.»
Honny soit qui mal … Ich sehe deutliche Parallelen zur Propaganda der SVP, zu ihrer Art der Volksverführung. Sowohl nach den Krawallen in Bern (von der SVP natürlich bewusst provoziert und in Kauf genommen, weil es den Wahlsieg vorbereitete) wie nach der Blocher-Abwahl.

27. März 2008 | 11:48
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 2  Min.
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