Wie ertragen?
Nun, es geschah, was ich mir in meinen mittelargen Träumen vorstellen konnte. Bevor ich zur theologisch-kirchlichen Tagesordnung zurückkehre, nur noch das:- Über 28% der Schweizer Bevölkerung haben Politiker/innen gewählt, die einer neofaschistischen Partei angehören. Ich schäme mich für dieses Vorkommnis, schäme mich, Schweizer zu sein und zu heissen. Noch schlimmer: Im Kanton, in dem ich lebe und arbeite, St.Gallen, wurden 5 von 12 Sitzen im Nationalrat aufgrund des «Wählerverhaltens» dieser Partei zugesprochen. Der fünfte und jüngste dieser Gewählten, ganze tiefbraune 25 Jahre alt und für ein Obligatorium (!) von christlichen Weihnachtsfeiern in den Schulen und für ein Verbot (!) von Minaretten. Ich schäme mich, St.Galler zu sein, und lechze danach, auszuwandern.– Gewählt habe ich übrigens die Partei, die meiner persönlichen Entwicklung der letzten 15 Jahre am besten entspricht, die auch in St.Gallen erstmals antretenden Grünliberalen. Es tut mir ja leid, sowohl meine Studienkollegen aus alten Zeiten wie auch Herrn Hauser zu betrüben: Aber gegen fundamentalistisch-faschistische Dummheit (und gegen ein reaktionär-besitzerhaltendes Denken der Linken im Sinn von «old labour») gibt es nebst Immanuel Kant und Ludwig Wittgenstein vor allem eines hochzuhalten: klassische Liberalität; höchstmögliche Toleranz, solang niemand zu schaden kommt; höchstmögliche Förderung des freien selbstbewussten Gewissensentscheids – in ökonomischen, ökologischen und ethischen Dingen – von Menschen, die ihr Handeln zu reflektieren vermögen.So freue ich mich, mit dem nächsten Beiterag wieder ins katholische Denken und Theologisieren abzutauchen. Das ist zwar auch recht fundamentalistisch, aber sicher nicht braun eingefärbt. Katholikos – diese Selbstdefinition ruft nach universalem Denken. Warum nicht auch nach liberalem?
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