Heinz Angehrn

Papst zur «gerechten» Sprache

Korrekt aber doof
Fürwahr: Die 42 Bibelwissenschaftlerinnen und 10 Bibelwissenschaftler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und den USA, die in den vergangenen fünf Jahren die Bibel ehrenamtlich neu übersetzt haben, versuchen, es allen recht zu machen – in der kuriosen Überzeugung, sie wüssten, was die biblischen Texte jeweils «mitmeinen».Eine Minderheit beleidigen sie trotz ihrem milden Trachten allerdings aufs Heftigste: diejenigen, die noch alle Tassen im Schrank haben. Diejenigen, die historisch denken können und einen Begriff von Textphilologie haben, die Übersetzung und Auslegung trennen und akzeptieren, dass die Bibel Frauen diskriminiert und antijudaistische Passagen enthält. Diejenigen, die sich nicht von einer Weichspüler-Seelsorge für dumm verkaufen lassen, sondern wissen, dass das Gottesverständnis in der Bibel sich in Widersprüchen entwickelt und mit Luther sagen: «Das Wort sie sollen lassen stahn.»

11. Dezember 2006 | 08:01
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 0  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!