Zur Nachahmung empfohlen
Mittwoch, 15. Februar 2006
In der Schweiz bestehen regelmässige offizielle Kontakte zwischen der Bischofskonferenz und den Vereinen der vom Zölibat betroffenen Frauen (ZöFra) und der schwulen Seelsorger (Adamim). Die Kommission Bischöfe-Priester, in der die beiden Bischöfe Bernard Genoud und Martin Gächter Mitglieder sind, führt via ihren Präsidenten und ihren Aktuar jährlich je ein Gespräch mit beiden Gruppierungen. Als Sekretär der Kommission notiere ich wesentliche Gesprächsinhalte und denke mir beim Zuhören so mancherlei. Sicher ist: Kaum irgendwo auf der Welt wären so direkte Kontakte und offene Gespräche möglich. Ein Kompliment darum allen Beteiligten und auch den Bischöfen, die dies erst möglich machten!
Nun kam an der letzten Begegnung in Olten ein wohl bisher weltweit fast einmaliger Vorgang in der deutschen Diözese Fulda zur Sprache, eine Diözese wohlgemerkt, in der noch vor wenigen Jahren der raue Geist der Reaktion am Wirken und Wehen war. Bischof Algermissen lud auf den 17.9.2005 die laisierten Priester der Diözese zu einem Treffen ein. In seinem Begrüssungswort bat der Weihbischof der Diözese um «Vergebung für die Verletzungen durch die einerzeit erfolgten amtlichen Reaktionen». Darauf folgten Berichte der Teilnehmer über ihre Geschichte, ihre Motivation zum Austritt aus dem kirchlichen Dienst und ihren Neuanfang. Originalton: «So verschieden sich die Lebenswege der Einzelnen darstellten, eins schien die meisten nach wie vor zu bewegen: die kritische, mit verschiedengradigen Traumata verknüpfte innere Verbundenheit zur Kirche». Diözesanbischof Algermissen quittierte die Berichte mit folgendem Fazit: Es seien wohl nicht die Schlechtesten, die die Kirche aus ihrem Dienst verloren habe.
Wie wäre es, diese Idee in unseren Diözesen aufzugreifen? Denn auch wir haben viele gute Seelsorger auf diese Weise schon verloren, und sie fehlen sehr.
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