Aussenseiter und Schmerzensmann – Peter Grimes in Zürich
David Pountney hat in Zürich Benjamin Brittens «Peter Grimes» inszeniert. Er tat dies mit gewohnter Wucht: Starke Bilder und eine grosse Dynamik prägen die Szene. Obwohl ein Einheitsbühnenbild besteht, wird es während der gut drei Stunden Oper nie langweilig. Da zudem mit Franz Welser-Moest als Dirigent und mit Emily Magee und Christopher Ventris in den Hauptrollen herausragende musikalische Kräfte am Werk sind, kann ein Besuch sehr empfohlen werden! Brittens Musik ist so herrlich anachronistisch unmodern, die englische Sprache gerade in den rauhen und melancholischen grossen Chorszenen ist für den Theater-Interessierten und -Begeisterten eine Offenbarung.
Warum dies hier auf kath.ch? Pountney wagt es, seinen zwiespältigen Titelhelden (er ist Outsider im Dorf, wird verachtet und weggewünscht, ist aber selber gewalttätig und verschuldet den Tod zweier seiner aus dem Armenhaus geholten Fischerjungen), in seiner grossen Szene kurz vor Wahnsinn und Suizid als Christus-Figur auftreten zu lassen, mit einem grossen Bootsmast anstelle des Kreuzes auf dem Rücken. Gewöhnungsbedürftig und zugleich ungeheuer eindrücklich. Vielleicht lassen Sie sich provozieren von diesem harten Stück und dieser vorbildlichen Inszenierung, fern der dummen Verfremdung und fern dem blossen Seemanns-Kitsch?
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