Vakuum in meinem Geist
Heute wurde Bruder Frowin an seinem 99 Geburtstag beerdigt. Ich habe ihn zufälligerweise vor zwei Wochen im Schwyzer Kapuziner-Pflegeheim getroffen. Eigentlich besuchte ich einen anderen Mitbruder, wurde aber von Frowin angesprochen, als dieser meine Kamera sah. Er wollte das ich für Ihn einige Fotos aufnehme und ihm diese ausdrucke.
Zwei Wochen vergingen, bis ich ihm schliesslich die Fotos zusenden konnte. Doch bevor diese ankamen, sah ich den Provinzialbericht, welcher von seinem Tod berichtete. Dies stimmte mich sehr traurig. Leider konnte ich ihm so seinen Wunsch nicht mehr erfüllen.
Diese Geschichte erinnerte mich an meinen Grossvater. Als ich fünfzehn Jahre alt war und ins Kloster eintrat, war er der Meinung, dass ich noch nicht die nötige Reife dazu besitze. Nach ihm sollte ich diesen Entschluss erst nach dem Bachelorstudium treffen. Leider starb er an einem Herzinfarkt, bevor er meinen Abschluss erleben durfte. Nachträglich denke ich manchmal noch daran, dass er vielleicht recht hatte, da ich doch erst mit dem Studium die nötige Reife besass.
Leider blieb also, ähnlich wie bei Frowin, auch der Wunsch meines Grossvaters unerfüllt. Doch für mich ist er, sowie auch jetzt Frowin, nicht verstorben; beide bleiben stets in meinem Herzen am Leben. Doch die Reue bleibt; Wäre ich doch nur schneller mit dem verschicken der Fotos gewesen um ihm eine letzte Freude zu bereiten.
«Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt». Bertolt Brecht.
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