«Nostra Aetate» an Allerheiligen
Während seiner nächtlichen Meditation, die Dom Helder Camara seiner Familie in Mecejana widmet, nimmt er in der Vigil zum Fest Allerheiligen 1965 die soeben verabschiedete Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen «Nostra aetate» auf.
Für das Fest, welches im Blick auf die Vollendung alle Heiligen feiert, schaut er auf die Menschheit, die auf verschiedenen Wegen unterwegs zu dieser Vollendung ist. «Nostra aetate» beginnt mit dem Blick auf die eine Menschheit und das, was allen gemeinsam ist – ein guter Ausgangspunkt für die Hoffnung, dass auch die Vollendung gemeinsam sein wird: «Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen liess; auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel». Camara meditiert: «Gemeinsamer Ursprung und gemeinsame Bestimmung. Weggefährten in Richtung der Ewigkeit. Pilger des Absoluten» (CaLe 2,980).
Im weiteren Verlauf von «Nostra aetate» stösst Camara auf die Ausführungen zu Natur- und Stammesreligionen, zum Hinduismus und Buddhismus und freut sich, weil der Text «unsere Augen öffnen wird für die Millionen von menschlichen Kreaturen, die wir bisher einfach als Heiden katalogisiert haben, die vermutlich für die Verdammnis bestimmt sind, so sehr schien es schwierig und gar unmöglich, dass jemand ausserhalb der einzigen und wahren Religion gerettet werden könnte» (CaLe 2,981 f.). Das Konzil hingegen würdige «aszetische Lebensformen» ebenso wie die «tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott» im Hinduismus und das Ziel «vollkommener Befreiung» und der «höchsten Erleuchtung» im Buddhismus.
Seine Adressaten fragt er angesichts dieser Texte: «Könnt Ihr ein bisschen besser die Verantwortlichkeit der nachkonziliaren Zeit ermessen?» (CaLe 2,983).
(emf; hier ist der Text von Nostra aetate )
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