Vollständige Demontage
Bis in die Gegenwart sind Positionen zum Wirtschaftsleben seitens der Kirche oder kirchlicher Organisationen meist umstritten. Dies war auf dem Konzil nicht anders. Vor 50 Jahren wurden Textpassagen zum Wirtschafts- und Gesellschaftsleben diskutiert. Positiv war die Vielzahl der Sprecher und ihrer nationalen, kulturellen und politischen Hintergründe. Damit einher ging aber auch eine Vielzahl der Perspektiven, Einschätzungen und Sichtweisen.
Kritisiert wurden ein weiteres Mal die bereits mehrfach genannten Punkte, die zugleich die unterschiedlichen Sichtweisen spiegeln: die westliche Perspektive, der zu grosse Optimismus gegenüber Entwicklung und Fortschritt, die analytische Schwäche und die fehlende Verankerung der Textaussagen in Naturrecht und traditioneller Lehre.
Deutsch und deutlich sprach sich Kardinal Höffner aus Münster aus: Der Text sage «nichts Neues», es bleibe hinter der Reife der letzten Enzykliken zurück und «fliehe in den Moralismus».
Kardinal Hengsbach legte gleich mit Detailkritik nach: Fünfzig schriftliche Anmerkungen fügte er seiner Erklärung noch bei, die seine Kritik am Text illustrierten, und die ihn «am Ende vollständig demontierte(n).»
Als gemeinsamer Nenner blieb am Ende die einmütige und abstrakte Feststellung, dass die Kirche der Förderung von Gerechtigkeit und Entwicklung dienen müsse.
(ab; A 5,193-197)
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