Das Konzil an den Bars
Die vor einigen Tagen bereits zitierte Rede von Bischof Eugène D’Souza mündete in eine Selbstkritik der konziliaren Diskussion: Ursachen dafür, dass die Kirche nicht zeitgerecht handelt, hingen auch «mit dem Lebensstil der Hirten zusammen. Warum muss auch jetzt noch alles mit dem veralteten Pomp umgeben werden? Ist auch dieses Konzil wirklich wahrhaft ein Konzil unserer Zeit? Wo gibt es heute noch eine internationale Konferenz, auf der die Teilnehmer zeremonielle Kleider tragen und monatelang einer unaufhörlichen Kette von Monologen in einer toten Sprache zuhören, auf der es keine offenen Diskussionen, kein Podiumsgespräch, keine Aussprache mit Rede und Antwort gibt? Immerhin haben wir wenigstens die Bar-Jona und die Bar-Abbas, wo wir ein wirkliches Gespräch führen. Was kann die Welt von uns erwarten, wenn unser Gespräch nicht einmal im Stil der Zeit stattfindet?»
Die beiden von D’Souza erwähnten Bars sind während der vierten Session hoch frequentiert. Wiederholt notieren die Tagebücher, dass sie sich schon am frühen Vormittag füllen (vgl. Pr 71.136). Die Konzilsväter sind – obgleich die Session gerade erst begonnen hat – müde. Die Sitzungen sind einerseits mit den üblichen Konzilsreden, andererseits mit zahlreichen Abstimmungen zu Teilabschnitten der Konzilsdokumente gefüllt. Die Bereitschaft, noch substantiell zu diskutieren und ggf. Veränderungen anzumahnen, schwindet. Dom Helder Camara nimmt wahr, «wie die Versuchung des Tourismus auch die Skrupulösesten erreicht» (CaLe 2,806).
Um den Kommissionen Zeit zu geben, die noch gewünschten Veränderungen in die Konzilsdokumente einzuarbeiten, erhalten die Konzilsväter vom 17. bis 24. Oktober und vom 30. Oktober bis 8. November einige Tage Ferien. Ausserdem ist geplant, dass zu einigen anstehenden Fragen die Bischofskonferenzen konsultiert werden. Als eine Diskussionsvorlage über die Buss- und Fastendisziplin sich verbreitet, wird aber schnell klar, dass die Bischöfe sich mit substantielleren Fragen befassen möchten (vgl. Pr 138).
(emf; AS 4/2,477-479; Übersetzung nach AdF 3,33-35 [korr.])
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