Innerfranzösischer Konflikt um den Umgang mit dem Atheismus
Angesichts der philosophischen und politischen, emotionalen und theologischen Tragweite des Themas konnte es nicht verwundern, dass die Konzilsintervention Kardinal Šepers zur Atheismusfrage (vgl. Konzilsblog vom 25. September 2015) noch einige Zeit in der Konzilsaula nachhallte. Der Erzbischof von Reims und Prälat der Mission de France, François Marty (dessen Amtszeit als Erzbischof von Paris 1968-1981 zeitlich zusammenfällt mit derjenigen von Šeper als Präfekten der Glaubenskongregation), teilte die Beobachtung des Erzbischofs von Zagreb, wonach viele Menschen im Atheismus einen Humanismus erkannten.
Über die theologischen Konsequenzen aus diesem und ähnlichen Befunden gingen freilich die Meinungen auseinander. Dies zeigt sich insbesondere am Zusammenhang von Humanismus und Theismus, von Menschenbild und Gottesbild. Dass Marty, wie übrigens auch Kardinal König und Patriarch Maximos IV., einen Grund für den Atheismus im fehlenden rechten Begriff von Gott sahen und Marty deshalb sogar davon sprechen konnte, dass es im Grunde keine echten Atheisten gäbe, stiess auf heftige Kritik seines Landsmanns Henri de Lubac, der letztere Aussage für naiv hielt. Nachdem der Jesuit von Martys entsprechender Konzilsintervention sehr enttäuscht war, trafen sich der Erzbischof und der Theologe am 29. September zu einer klärenden Aussprache. Zu klären und zu bezeugen, wie Gottes- und Menschenbild zusammenhängen, ist in der Tat eine nie abgeschlossene Aufgabe der gesamten Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit.
(mq; vgl A 5, 172f.).
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