Konzilsblogteam

Atheismus – Humanismus – Theismus

Auf Kuba verkündete Papst Franziskus dieser Tage das Evangelium u.a. während einer Messfeier auf dem Platz der Revolution in der Hauptstadt Havanna unter einem Wandbild Che Guevaras und in Gegenwart von Raul Castro, dem kubanischen Präsidenten und Erstem Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas. Dieses Ambiente erinnert an eine Zeit, in der die Herausforderung des Atheismus unmittelbar mit der Weltpolitik zusammenhing (die Kubakrise war im Jahr der Konzilseröffnung!). Als vor fünfzig Jahren Ende September 1965 das Konzil den Atheismusartikel der späteren Pastoralkonstitution Gaudium et spes diskutierte, suchte es nicht zuletzt auch aus politischen Gründen «eine Konfrontation mit den Vertretern der Länder des Ostens und eine explizite Verurteilung des Kommunismus zu vermeiden».
Wenn die weltweiten politischen Rahmenbedingungen heute jenseits Kubas gänzlich andere sind, so bleibt der Atheismus eine zentrale Herausforderung für den christlichen Glauben. So bleibt ein Blick auf die Konzilsdiskussionen zu diesem Thema höchst lehrreich, zumal, was die jenseits der grossen (und kleinen) Politik waltenden grundsätzlichen geistigen und kulturellen Strömungen angeht. Eine zentrale Rolle kam dabei Franjo Kardinal Šeper zu, während des Konzils Erzbischof von Zagreb und 1968-1981 dann Präfekt der Glaubenskongregation. Seine Autorität gewann der eingehenden Untersuchung Gilles Routhiers zufolge durch den Umstand, «dass er selbst unter einem atheistischen Regime lebte (…) Sein Beitrag eröffnete Perspektiven, denen sich eine ganze Reihe der folgenden Redner anschliessen konnten». Zunächst stellte der Kardinal heraus, «dass das Konzil zu diesem Thema nicht schweigen könne. Allzu viele Menschen hätten den Atheismus als geistige Erbschaft übernommen und sähen in ihm einen wahrhaften Humanismus und eine Vorbedingung für den menschlichen Fortschritt.» Dies macht die Frage nach einem angemessenen christlichen Umgang umso schwieriger. «Drei Wege schloss der Erzbischof von Zagreb aus: die Verurteilung, die Predigt des Wortes Gottes und den Versuch der Bekehrung der Atheisten. Stattdessen trat er dafür ein, dass das Konzil aufzeigen möge, wie die Christen den Atheismus verstehen und die Existenz der Atheisten akzeptieren könnten. Der Erzbischof hob abschliessend hervor, dass die Verantwortung für die Ausbreitung des Atheismus gelegentlich bei den Christen selbst liege, die die bestehende Ordnung verteidigten und unfähig seien, die Werte des Evangeliums zu befördern, welche man gelegentlich auf der Seite der Atheisten antreffen könne, selbst wenn ihr göttliches Fundament nicht unmittelbar erkennbar sei.»
Damit ist die eigentliche Tragweite der Frage nach dem Atheismus aufgezeigt: es handelt sich nicht nur um die Frage nach Gott, sondern auch um die Frage nach dem Menschen, und mehr noch und vor allem: um den Zusammenhang beider.
(mq; Zitate bei A 5, 171ff.).

25. September 2015 | 00:02
von Konzilsblogteam
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