Konzilsblogteam

Für eine Kirche, die nicht zögert

In einem Lied aus dem «Sakropop-Bereich» heisst es: «Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn ER kommt.» So könnte man die flammende Rede von Erzbischof Eugène D’Souza aus Bhopal zum Textentwurf von Gaudium et spes zusammenfassen.
«Ich glaube, in der Einleitung den Angelpunkt des Ganzen gefunden zu haben, wenn ich lese: ‹Das Volk Gottes bemüht sich, in den Ereignissen, Forderungen und Wünschen die Gegenwart Gottes zu entdecken und sein Walten wahrzunehmen. Dieser Stimme muss es ohne Zögern gehorchen.» (…) Ohne Zögern heisst: ohne Zeitverlust. (…)
Lasst uns eine ganz kurze geschichtliche Untersuchung anstellen! Der erste Teil des Textes handelt von der Würde des Menschen, von Verantwortung und Gewissensfreiheit. Eine ‹Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte› formulierten aber schon die amerikanische und französische Revolution. Erst 176 Jahre anerkennt die Kirche feierlich die religiöse Freiheit und die Rechte der pluralistischen Gesellschaft, nachdem das Lehramt sie mehrfach abgelehnt hatte. Wie viele Menschen hat die Kirche inzwischen von sich fortgestossen, weil sie eine Feindin der Freiheit und der Menschenwürde zu sein schien.
Im zweiten Teil (…) stehen ausgezeichnete Sätze über die soziale Gerechtigkeit. Doch auch ihre Bedeutung hat die Kirche nicht rechtzeitig erkannt. Erst 43 Jahre, nachdem Karl Marx sein grundlegendes Werk veröffentlicht hatte (…), erschien (…) ‹Rerum Novarum›. Aber es handelte praktisch nur vom gerechten Lohn und war darum nur ein schwaches Echo auf Karl Marx. (…)
Ebenso erstaunt den Leser, was die Vorlage über die Entwicklung der sozialen Ordnung, die Technik und die Nachrichtenmittel, über die Notwendigkeit einer Befreiung der Völker vom Kolonialismus, über den menschlichen Wert der Sexualität und anderes ausführt. Wurde das nicht von anderen viel früher gesagt?»
(ab; AdF 3:33f.)
 

27. September 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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