Die neue Theologie macht schwindelig
Auch Mitglieder der Konzilsmehrheit hatten mit der Theologie von Gaudium et spes zu kämpfen. Zwar wurden sie zu Beginn der Debatte auf den ungewöhnlichen Stil hingewiesen und daran erinnert, dass man so der Methode der Lektüre und Deutung der Zeichen der Zeit in der Weise von Johannes XXIII. folgte. Dieses Vorgehen erlebten aber viele Konzilsväter als sehr verwirrend.
«Beim Lesen der deutschen und italienischen Beiträge erahnt man, dass nicht nur die Korrektheit der Aussagen des Schemas angezweifelt, sondern dass das methodische Vorgehen des Schemas selbst hinterfragt wird. Ohne, dass das klar gesagt wird, sind es die induktive Methode des Schemas, sein empirischer und deskriptiver Zugang, die für Verwirrung sorgen.
Man ist orientierungslos, weil man hier keinen klassischen Traktat über die christliche Anthropologie vorfindet, der eine theologische Sicht der Welt böte: erschaffen von Gott, in Sünde gefallen, ständig auf der Suche nach Glück und Unsterblichkeit, durch Christus losgekauft, in ständigem Kampf zwischen Gut und Böse, und auf dem Weg zu ihrer übernatürlichen Bestimmung.
Man wünschte sich, das Schema entwerfe dieses theologische Gemälde (in den Worten von Volk: dessen, was bleibt und unveränderlich ist in der Welt) und lasse die Elemente des Zufälligen oder Empirischen beiseite (dessen, was sich wandelt in der Welt).
Im Unterschied dazu fühlt sich jemand wie Kardinal Cardijn, der aufgrund seiner Praxis mit der Methode des ‹Sehen – Urteilen – Handeln› mit anderen Herangehensweisen vertraut ist, sehr wohl mit diesem konkreten und deskriptiven Zugang. Er würde ihn sogar gerne noch erweitern. Dieselbe Einstellung findet sich bei Himmer (Tournai), für den das Schema aufgrund der Qualität er von ihm gebotenen Beschreibung der Welt die Zustimmung der Konzilsväter verdient.»
(ab; A:166f.)
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