Fragen über Fragen
Zu den besonderen Fähigkeiten Lukas Vischers, im Laufe des Konzils zu einem gewichtigen Mitwirkenden gewordenen «Beobachter» des ÖRK, gehörte es, in mitunter langen Fragereihen die jeweils anstehenden und weit über die konkreten Ereignisse hinausreichenden Herausforderungen zu formulieren. So schreibt er vor der vierten Session – sie begann am 14. September 1965 – etwa: «Wird das Konzil die römisch-katholische Kirche wirklich zu einem neuen und tieferen Zeugnis in der heutigen Welt führen? Wird durch die Erschütterung hindurch, die seit einigen Jahren so manches in Frage stellt, das Wesen der Kirche Christi klarer zutage treten? Werden die Kirchen wirklich im Namen Christi zusammenfinden? (…) Wird (das Konzil) mehr bedeuten als ein vielleicht grossartiger, aber darum nicht weniger fragwürdiger Versuch, der Kirche Ansehen und Verwurzelung in den Völkern zu sichern, die sie in den letzten Jahrzehnten so offensichtlich eingebüsst hat? Wird sich der Enthusiasmus, der durch die Welt gegangen ist, schliesslich nur als Ausdruck einer gewaltigen Sehnsucht erweisen, aber letztlich ohne Erfüllung bleiben?»
So sieht er voraus: «Die vierte Session wird aber Entscheidungen bringen müssen. Sie wird in endgültigen und jedenfalls auf einige Zeit hinaus bindenden Formulierungen zeigen müssen, in welche Richtung das Schiff gesteuert werden solle. Sie wird vermutlich nicht von dem begeisternden Schwung früherer Sessionen getragen sein. Scharfe Kämpfe und zähe Auseinandersetzungen werden unvermeidlich sein; gerade weil es um die Bestimmung der Zukunft geht, werden die verschiedenen Tendenzen alle Kräfte aufbieten.»
(mq; Zitat: Lukas Vischer, Vor der vierten Session des II. Vatikanischen Konzils. In: Kirche in der Zeit 20 [1965], 338-345, 338).
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