Wer sind die «Arbeiter im Weinberg?»
Das heutige Evangelium beginnt mit einem Anliegen, das sicher für die allermeisten von uns wichtig ist: mit dem Gebet um Arbeiter im Weinberg Gottes. Wohl alle von uns haben dafür gebetet – und wurden dabei enttäuscht. Ja, vielleicht bekamen wir sogar Glaubenszweifel. «Warum erhört Gott unsere so intensiven Gebete nicht?», haben wir uns gefragt.
Der Grund dafür: Wir haben Jesu Einladung zum Gebet wohl missverstanden, indem wir meinen, Jesus habe uns aufgefordert, bloss um Priester zu beten. Nein, es geht ganz allgemein um Arbeiter – und so dürfen wir heute auch sagen – um Arbeiterinnen für das Reich Gottes.
Ich möchte hier eine persönliche Erinnerung einblenden: Vor vielen Jahren war ich im Vorstand eines Vereins, der sich um die Förderung von Berufungen bemüht. Ein Walliser Pfarrer setzte sich vehement dafür ein, dass wir so genannt «geistliche Berufe» im Auge hätten, nämlich Priester und Ordensleute. Es sei nicht notwendig, um «kirchliche Berufe» zu beten: Laientheologen, Pastoralassistenten oder Katechetinnen. Diese gebe es ja ohnehin zur Genüge.
Wir alle wissen inzwischen: Die Kirche leidet heute nicht nur unter Priestermangel. Es ist auch nicht einfach, tüchtige Religionslehrer und -Lehrerinnen zu finden sowie Laienseelsorger und Seelsorgerinnen (wobei man den Ausdruck «Laien» seit kurzem weglässt).
Und hier nochmals eine Erinnerung: Mein Freund Max Hofer, damals Bischofsvikar in Solothurn, meinte: Noch nie gab es so viele Menschen, die hauptamtlich in den Pfarreien arbeiten. Früher hatte man einen Pfarrer, einen Vikar und wenn es gut ging noch einen Kaplan. Sie waren nicht nur für die Gottesdienste mit Predigt zuständig, sondern für praktisch alles, was zum pfarreilichen Leben gehörte: vom Religionsunterricht bis zum Besuch bei Kranken und Sterbenden. Heute beschäftigen die Pfarreien und Pastoralräume für vieles gut ausgebildete Spezialisten. Wie gesagt, es herrscht heute auch diesbezüglich vielfach Personalmangel.
Darum: Es ist notwendig, nicht nur um Priester zu beten, sondern auch um andere Arbeiter im Weinberg. Bestimmt hat Jesus seinen Gebetsaufruf auch so gemeint. Vergessen wir nicht: Schon im Neuen Testament gab es eine Vielfalt von kirchlichen Berufen oder wie Paulus schreibt, von «Charismen». Es gibt Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer und Prediger und auch Gläubige, die heilen können oder besonders gut trösten.
Mit Blick auf das heutige Evangelium können wir feststellen: Es gab auch nach der Zeit Jesu neben den sesshaften Gläubigen auch Wanderprediger. Dazu gehörten auch Ehepaare wie Aquila und Priszilla, Andronikus und Junia, die von Ort zu Ort zogen und den Glauben verkündeten. Wir sehen übrigens: Auch Frauen gehörten zu jenen, die den Glauben predigten. Warum sollte es ihnen heute verboten sein.
Eigentlich hätte ich sie an erster Stelle erwähnen sollen: die Apostel, die predigend durch die ganze damals bekannte Welt zogen. Ein interessantes Detail: Viele von ihnen hatten ihre Frauen bei sich. Wir wissen dies von Paulus, der schreibt: «Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester als Ehefrau mit uns zu führen wie die anderen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?» Mit «Kephas» ist bekanntlich Petrus gemeint.
Erlauben Sie mir dazu eine zwar humoristische, aber doch ernste Anekdote: In Rom ist eine Basisgemeinde ohne Priester versammelt. Da erscheint ihnen Petrus. Die Leute sind erfreut und laden ihn ein, der Eucharistie vorzustehen – sie sind ja priesterlos. Petrus weigert sich und sagt: «Ich darf das nicht. Denn ich habe keinen theologischen Abschluss. Überdies bin ich verheiratet.» –
Auch heute gilt: Jesus beruft Menschen und sendet sie als Zeugen und Zeuginnen für das Reich Gottes aus. Was könnte dies heissen? Nur einige Beispiele als Anregungen:
- mit brüderlich-schwesterlicher Liebe das Zusammenleben friedlich zu gestalten
- Worte gebrauchen, die trösten und aufrichten
- das, was wir haben miteinander teilen
- der Not der Armen, vor allem auch der Asylsuchenden nicht herzlos gegenüberstehen.
Ja, wenn wir solches tun, wird die Erde für alle zu einer Heimat, zu einem kleinen, aber konkreten Stück Reich Gottes mitten unter uns.
Betagtenzentrum Wesemlin: Sa, 16.30; Klosterkirche So, 10.00
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B. Martha Leuthard sagt:
SOS Schweiz “mitenand gaht’s besser”
32 Seiten zum Thema gingen gestern in Druck und können ab 1. August bei leuthard42@bluemail.ch bezogen werden.
Roland Xander sagt:
Die Hoffnung ist groß, dass die kommende Amazonas-Synode diesbezüglich einiges in Bewegung bringt. Wenn nicht, dann endgültig “Gute-Nacht” liebe katholische Kirche!!
Andreas sagt:
Immerhin aber hat das Zölibat auch *Vorteile* — was oft missachtet wird!
Diese aufgezählt in einer Privat-Offenbarung aus der Heiligen Stadt:
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https://www.wiwi.uni-siegen.de/merk/stilling/downloads/nachtod_theo_jst/zoelibat_nutzen.pdf
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Für den Privatgebrauch darf man sich das anonym und kostenlos downloaden.
Baselbieter sagt:
Das ist gut, danke!
Und man lernt immer dazu.
>> So weiss ich jetzt, wo die “Heilige Stadt” auf Erden liegt. <<