Konzilsblogteam

Gaudium et spes aus der Sicht eines Gegners

«Erzbischof Bengsch gehörte zu den 75 Konzilsvätern, die bei der Schlussabstimmung am 7. Dezember 1965 gegen die Pastoralkonstitution ‹Gaudium et spes› stimmten. Seine Ablehnung hatte er in einem Brief an Papst Paul VI. vom 22. November begründet. Ihm ging es darum, den Missbrauch des Textes durch totalitäre Regime zu verhindern.
Ein halbes Jahr nach dieser Entscheidung schrieb Bengsch Kardinal Döpfner einen Brief, erinnerte an diese Vorgänge und zeigte erste Konsequenzen für eine ‹neue› vatikanische Ostpolitik auf: ‹Du erinnerst Dich, dass bereits im Verlauf der 4. Konzilssession mich die kirchenpolitischen Konsequenzen der im Schema 13 fixierten theologischen Akzentsetzungen bedrängten. Mir schien bereits damals die Bejahung der Welt, der Kultur, der Technik zu ungesichert. Wahrscheinlich hast Du noch die Durchschriften meiner Interventionen in der Frage der Weltfriedensorganisationen und meines Memorandums über die notwendigen Vorsichtsmassnahmen bei Verhandlungen mit den Ostblockländern. Alle meine damaligen Bemühungen haben aber nichts genützt. Der Papst hat mir in der Audienz gesagt, dass er meine besondere Lage wohl verstehe, sie aber nicht zum Mass für gesamtkirchliche Entscheidungen und Unternehmungen machen könne. Es ist mir aber klar, dass die theologische Akzentsetzung im Schema 13 das volle Placet des Papstes hat und von dieser theologischen Konzeption aus der Weg der Weltsendung, der Regierungskontakte, des Dialoges zielstrebig gegangen wird. Die möglichen Dauerkontakte des Vatikans mit allen Ostblockländern, ausgenommen die DDR, dürften natürlich für uns schwerwiegende Folgen haben. Da der hiesige Staatssekretär für Kirchenfragen unter allen Umständen Informationen über bereits laufende Verhandlungen besitzt, muss er die Konsequenz ziehen, dass die politische Abstinenz der mitteldeutschen Bischöfe ernstlich nicht mehr vom Vatikan gedeckt wird. Während bisher manche Forderungen nach politischem Engagement der Kirche gestoppt wurden, weil man hinter der abstinenten Haltung der Bischöfe eine wenigstens indirekte Weisung des Vatikans vermutete, kann man in Zukunft unter Berufung auf das Konzil und den Papst die Bischöfe unter Druck setzen.»
(Giancarlo Collet; Zitat: J. Pilvousek, Die katholische Kirche in der DDR. Beiträge zur Kirchengeschichte Mitteldeutschlands, Münster 2014, 352f)

20. August 2015 | 00:01
von Konzilsblogteam
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