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Das Konzilstagebuch von Heinrich Tenhumberg (V): Die dritte Konzilssession

Die dritte Konzilssession stand unter einem grossen Zeitdruck, und die Moderatoren drängten, unter ihnen auch Kardinal Döpfner, auf einen baldigen Abschluss des Konzils. Dem widersetzte sich Weihbischof Tenhumberg, der sich bei einflussreichen Kardinälen für eine vierte Session einsetzte. Am 23. September 1964 konnte er sein silbernes Priesterjubiläum feiern, nun nicht in der gedrückten Stimmung wie bei seiner Weihe kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, sondern im «Frühlingssturm des Heiligen Geistes durch die Kirche». Der Heilige Geist war Tenhumberg dabei ein besonderes Anliegen. Er, der die Schaffung eines Laienrates wünschte, um das Apostolat nicht zu sehr auf den Klerus zu beschränken, trat für eine Theologie des Heiligen Geistes ein, damit der Geist nicht ausgelöscht, sondern die Charismen und Gaben im Volke Gottes gefördert würden. In der gleichen Linie liegt Tenhumbergs Forderung nach der Anwendung des Subsidiaritätsprinzips auch auf die römische Kurie. Und im neuen Kirchenrecht müsse die Wertschätzung und Würde des ganzen Volkes Gottes hinreichend berücksichtigt werden, wie er am 8. Oktober 1964 in der Konzilsaula darlegte.
Am 26. Oktober 1964 sprach er am gleichen Ort über die «Zeichen der Zeit» und fragte, warum viele Ordensgründer und Heilige, Laien und Priester diese Zeichen der Zeit schon früh erkannt hätten, aber von der kirchlichen Hierarchie zurückgewiesen worden seien.
Die «dicke Luft» in Sachen der Religionsfreiheit und Veränderungen in letzter Minute am Ökumenismusdekret liessen bei Tenhumberg am Schluss der dritten Session eine gewisse Verbitterung zurück.
(ufw; Heinrich Tenhumberg: Als Weihbischof auf dem Konzil. Tagebuchnotizen 1962–1965. Herausgegeben von Joachim Schmiedl. Münster 2015, 32–35, 89–146.)

11. August 2015 | 00:43
von Konzilsblogteam
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