«Zweieinhalb Tage der Gnade»
«Urlaub» waren die Tage eigentlich nicht, die Yves Congar mit seinem Ordensbruder und theologischem Weggefährten Henri-Marie Féret wie schon öfters auch im Sommer 1965 einige Tage unweit des Genfer Sees in Notre-Dame des Voirons verbrachte. Wenngleich die Erholung, denen diese Tage eigentlich gelten sollten und die Congar aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit gut getan hätte, erwartungsgemäss nicht im Mittelpunkt des Aufenthaltes stand, waren die die Tage vom 4. bis zum 6. August 1965 mehr als «Urlaub»: es waren «zweieinhalb Tage der Gnade». Grund dafür war der Besuch des belgischen Arbeiterseelsorgers und Kardinals Jozef Cardijn (s. Konzilsblog 15. Februar 2015), mit dem Congar und Féret diverse Konzilsinterventionen vorbereiteten.
Bereits am 11. Juli lud ihn Congar dazu ein: «Anlässlich Ihrer Kardinalsernennung haben Sie gesagt: ‹Sie haben mir das Wort gegeben, ich werde es ergreifen›. (…) Ich sage mir in meiner Treuherzigkeit, dass man sehr auf Sie hören würde, wenn Sie im Namen Ihrer weltweiten Erfahrung sagen würden, was man Positives von dieser Erklärung [über die Religionsfreiheit] erwarten könnte (…). Sicherlich werden Sie auch über das Schema XIII [die künftige Pastoralkonstitution Gaudium et spes] sprechen. Ich frage mich, ob man in der Darstellung des Sinns der Welt im Bezug auf Christus und die Eschatologie, aber auch im Kapitel über die Kultur, den Arbeitern ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt hat, der unerhörten Schaffenskraft von Armen und Geist des Menschen.»
Anders gesagt: das Verhältnis von Gnade und Natur, seit Beginn des christlichen Denkens ein theologischer «Dauerbrenner», muss angesichts einer sich grundsätzlich wandelnden Welt neu durchbuchstabiert werden.
(mq; Zitate bei Co 2,383 und Qu 423 Anm. 46.)
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