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Kardinal Lercaro zu Übertreibungen in Sachen Liturgiereform

Neben den Widerständen sah Kardinal Lercaro eine zweite grosse Gefahr in Sachen Liturgiereform: die Übertreibungen. Diese Reaktion auf die Liturgiereform sei auf den ersten Blick positiv, aber Lercaro sah diese negativ, «da sie die Neigung hat, zu weit zu gehen, die Autorität der Kirche zu untergraben und ihr irgendwie Zwang aufzuerlegen».
Diese Form der Reaktion trete sporadisch an vielen Orten auf. Lercaro nannte zwei Beispiele von Übertreibungen, die im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Liturgie als solche aufgefasst wurden, aber seit längerer Zeit allgemein gebräuchlich sind: so das laute Beten des Kanons durch den Zelebranten und der Empfang der Hostie in der offenen Hand.
Letztlich ging es Lercaro aber nicht um diese Einzelbeispiele, sondern darum aufzuzeigen, dass die Bischöfe das Recht und die Pflicht haben, bei Übertreibungen einzugreifen. Die Konzilsväter hätten genügend Seelsorgeerfahrung dafür, und die persönliche Seelsorgeerfahrung der Pfarrer könne nicht höher stehen als die Hirtentätigkeit der Bischöfe. Die Bischöfe seien nicht nur dazu da, den Priestern ihr jeweiliges Tätigkeitsfeld zuzuweisen. Die Bischöfe hätten die Pflicht, die Seelsorgeerfahrung ihrer Priester ernst zu nehmen, aber sie hätten auch ein Wächteramt, das bei Notwendigkeit auszuüben sei und ein Einschreiten erfordere. Es gebe einen Raum für nützliche Seelsorgeversuche, «aber innerhalb des Gehorsams, von dem man nicht absehen kann, da Christus, der einzige Hirt, in seiner Kirche jemand aufgestellt hat, der die Macht besitzt, zu binden und zu lösen. Das harmonische Zusammenwirken des presbyteriums mit dem Bischof, der zur Bischofskonferenz vereinigten Bischöfe und aller mit Petrus wird der Frische und dauerhaften Festigkeit der pastoralen Versuche im Kontakt mit dem Leben nichts entziehen, wohl aber unbeherrschte Launenhaftigkeit, unberechtigte Verschiedenheit des Ausdrucks (…). Die Einheit wird die Verschiedenheit nicht verunmöglichen noch ersticken, sondern sich in ihr zum Ausdruck bringen, indem sie verhindert, dass sie Zerstreuung wird.»
(ufw; Kardinal Lercaro zu den Reaktionen auf die Liturgie-Reform [Fortsetzung und Schluss], in: SKZ 133 (1965), Nr. 21, 254–256.)
 

26. Juni 2015 | 00:32
von Konzilsblogteam
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