Kardinal Lercaro über Widerstände gegen die Liturgiereform
Am 1. Fastensonntag des Jahres 1965 wurde weltweit erstmals die Messe offiziell nach Massgaben der Liturgiekonstitution und der nachfolgenden Normen gefeiert (vgl. Konzilsblog vom 7. März 2015). Damit kam das Konzil sichtbar in den einzelnen Pfarreien an. Diese liturgischen Neuerungen aber stiessen nicht nur auf Begeisterung, sondern auch auf Widerstand, was den Präsidenten des Rats für die Durchführung der Liturgiekonstitution, Kardinal Giacomo Lercaro, bewog, kurz vor dieser Einführung in seinem Erzbistum Bologna am 1. März 1965 einige grundsätzliche Punkte festzuhalten. Die «Schweizerische Kirchenzeitung» veröffentlichte ab dem 20. Mai 1965 diese Rede Kardinal Lercaros auf zwei SKZ-Ausgaben verteilt.
Lercaro machte klar, dass es sich bei der Liturgiereform nicht um eine Schulmeinung handelt, sondern um die authentische Lehre der Kirche. Die Liturgiekonstitution ist ein feierlicher und ausserordentlicher Akt des Lehramtes.
In den Widerständen gegen die Liturgiereform sah Lercaro ungenügendes Wissen, «eine Unkenntnis dessen, was Kirche ist», auch eine «Unkenntnis über die Teilnahme des christlichen Laien an der priesterlichen, prophetischen und königlichen Sendung Christi». Zu diesem ungenügenden Wissen geselle sich besonders bei älteren Leuten die Macht der Überlieferung, der Gewohnheit.
Ein Wert, auf den sich Gegner der Liturgiereform berufen, sei das Latein. Die Liturgiereform nehme aber der Würde und dem Studium des christlichen Lateins nichts weg, und: «Wenn es Auftrag Jesu und infolgedessen der Kirche war, den Armen das Evangelium zu verkündigen, so ist der Gebrauch der gewöhnlichen Sprache ohne Zweifel ein nicht zu vernachlässigendes Element dieser Verkündigung.»
Die Liturgiereform sei auch kein Angriff auf die Kirchenmusik, die bisher stark durch das Latein geprägt war. Die gregorianische Melodie werde nicht abgeschafft, und gewisse Umstände verlangten eine lateinische Liturgie, so dass die Musik die gleichen Möglichkeiten habe wie bisher. Äusserungen Lercaros über die kirchliche Architektur ergänzen die möglichen Felder von Widerständen, wobei Lercaro abschliessend bemerkte, dass die negativen Reaktionen gegen die Liturgiereform zum Verschwinden bestimmt seien: «Dies gilt kraft des natürlichen Gesetzes der geschichtlichen Entwicklung wie auch wegen der Haltlosigkeit der Motive, an die sich diese Sehnsucht nach dem Vergangenen klammert, um eine scheinbar objektive Rechtfertigung zu suchen.»
(ufw; Kardinal Lercaro zu den Reaktionen auf die Liturgie-Reform, in: SKZ 133 (1965), Nr. 20, 241–243.)
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