Konzilsblogteam

Konzilsumsetzung übersehen?

Während im kirchlichen Leben der Nachkonzilszeit bis hinein in die Gegenwart Stichworte wie «Sacrosanctum Concilium» und «Dei Verbum», «Lumen gentium» und «Gaudium et spes» und und damit die entsprechenden Konzilsdokumente durchaus begegnen, gehört die Erklärung über die christliche Erziehung «Gravissimum educationis» zu den Konzilsdokumenten, die nicht nur vergessen scheinen, sondern von Anfang an mehr oder weniger übersehen wurden. Da Franz Pöggeler die Erklärung immerhin als «Magna Charta der Erziehung aus dem Glauben» bezeichnet, fragt Roman Siebenrock mit Recht, wie die Tatsache zu bewerten ist, «dass die Erklärung in der katholischen Religionspädagogik so gut wie keine Beachtung gefunden hat».
Diese Frage ist nicht nur religionspädagogisch, sondern auch konzilshermeneutisch relevant. Denn die Erklärung verweist, wie Siebenrock ausführt, immer wieder auf eine einzurichtende nachkonziliare Kommission, die sich mit den in der Erklärung genannten offenen Fragen beschäftigen sollte. «Da diese Kommission nie real wurde, könnte die interessante konzilshermeneutische Frage aufgeworfen werden, welche Verbindlichkeit ein solcher Text überhaupt erheben könne. Wenn diese Kommission realisiert worden wäre, stellte sich die Frage ebenso im Verhältnis von Konzilstext und nachkonziliarer Weiterführung. An dieser Fragestellung könnte die Frage nach dem Verhältnis von Konzil und nachkonziliarer Entwicklung beispielhaft durchdiskutiert werden.»
Dies wäre umso spannender, als sich in Erziehung und Pädagogik zahllose Fragen wie in einem Brennglas bündeln und dabei in hohem Masse gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen beleuchten, die sich seit dem Konzil rasant beschleunigt haben.
(mq; Zitate in: Roman A. Siebenrock, Theologischer Kommentar zur Erklärung über die Christliche Erziehung Gravissimum Educationis, in: HThK.Vat II 3 [2005], 551-590, 557 sowie 563 Anm. 36).
 

28. Mai 2015 | 00:18
von Konzilsblogteam
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