Zeitlos
Mitten in der Arbeit fühlt Congar sich – wie oft – physisch ohne Kraft, aber auch innerlich leer. Er arbeitet an vielen Stellen mit, leidet aber an diesem Umherirren zwischen den verschiedenen Aufgaben, ohne irgendwo vertieft in eine Arbeit und ein Team eingelassen zu sein.
Seine Unzufriedenheit und die empfundene Leere macht Congar aber auch an seiner aktuellen Unterkunft fest. Der Dominikanerkonvent Santa Sabina sei ein «SEHR regulierter Konvent, vielleicht der regulierteste des ganzen Ordens, der, der am meisten den Konstitutionen konform ist» (Co 2,373). Schön gelegen, ist er wie ein Asyl des Friedens, ohne Verkehr, sehr ruhig. Congar empfindet dies so, als sei es ein Haus «ausserhalb der Zeit. (…) Das Haus ist nicht mehr von den Problemen als vom Lärm der Welt berührt. Manchmal frage ich mich: Wo sind wir? Unter Pius XI., unter Benedikt XIV.? Wer ist General [des Ordens]: P. Cormier [er amtierte von 1906 bis 1916]?» Auch die Kurie scheint Congar von solcher Zeitlosigkeit und Immunität gegenüber den Fragen der Zeit und den Fragen der Menschen geprägt.
(emf)
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