Neue Büroräume für das Sekretariat für die Einheit der Christen und ein langer Tagebucheintrag über die Problematik des Textentwurfs über die nichtchristlichen Religionen
Der Tagebucheintrag von Yves Congar vom 3. Mai 1965 ist ungewöhnlich lange. Congar besucht das Sekretariat für die Einheit der Christen an diesem Montag an seinem neuen Ort. Mgr. Willebrands zeigt Congar in aufgeräumter Stimmung die neuen Räume, und Congar stellt mit Befriedigung fest, dass die Büros gut eingerichtet sind, genügend Platz vorhanden ist und das Ganze Dynamik und eine schöne Note aufweist, im Gegensatz zu Santa Sabina, wo Congar wohnt.
In der Sitzung wird der Text über die Religionsfreiheit besprochen. Die Theologische Kommission schickte ihre Bemerkungen zurück, zu deren Durchsicht wird in der Sitzung vom 3. Main eine kleine Subkommission eingesetzt, u.a. mit Congar und Feiner. Paul VI. ist mit dem Text einverstanden.
Was das ökumenische Direktorium betrifft, das das Sekretariat für die Einheit der Christen ausarbeiten sollte, will Mgr. Willebrands eine breite Konsultation durchführen. Er hat dafür das Plazet des Papstes eingeholt, da das Sekretariat für die Einheit der Christen bis jetzt nur ein Organ des Konzils ist.
Mehr zu reden und zu schreiben gibt der Textentwurf über die nichtchristlichen Religionen, wo die Paragraphen über die Juden schwierige Fragen aufwerfen. Willebrands hat zwei Reisen in den Nahen Osten gemacht, die aufgezeigt haben, dass diese Deklaration weit anders aufgefasst werden könnte als von den Autoren intendiert. Willebrands informiert darüber die Kommission unter dem Siegel der Geheimhaltung: Zwischen Juden und Arabern führt jedes Wort zu Krieg. Auch wenn die Regierungen über den intendierten Sinn informiert werden, stösst eine Deklaration im vorliegenden Sinne beim Volk auf Unverständnis. Ein Teil der Juden fühlt sich im Anspruch auf Palästina bestärkt.
In Ägypten gibt es einen starken muslimischen Druck gegen die Kopten, was mit einer Erklärung zu den Juden verstärkt würde. Die Orthodoxen nehmen von den Katholiken Abstand und sehen sich als bessere Patrioten usw.
Diesem Bericht folgt eine Diskussion in der Kommission über Äusserungen im Entwurf in Sachen Gottesmord und Antisemitismen, die alle heikel sind. Congar spricht sich angesichts der Schilderungen Willebrands und der Diskussion über den Entwurf gegen eine simple Zurückweisung des Entwurfes aus, sondern plädiert für einen neuen Text, der grössten Wert auf den Dialog und gegen Gewalt aus ethnischen oder religiösen Gründen legt, wo auch auf den Genozid gegen die Armenier und die Juden hingewiesen werden müsse.
(ufw; Co II, 363–367.)
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