Barth träumt von einem vierzehntägigen Pontifikat
Karl Barth erzählte seinem Assistenten, Eberhard Busch, wie er während vierzehn Tagen als Papst handeln würde. «Er würde keineswegs den Vatikan aufheben, sondern würde ihn mit allen darin gegebenen Möglichkeiten nutzen. Aber er würde einfach alles ein bisschen aufzulockern suchen. Ich (EB) sollte dabei weiterhin sein Sekretär sein und Beate seine Sekretärin. Oder besser, er würde sie zur Kardinälin erheben. Denn überhaupt würde er eine Reihe von Frauen in den Kardinalsstand erheben. Der Minirock sei allerdings nicht erlaubt, sondern in schöner blauer Amtstracht sollten die Damen umherschreiten. Das wunderbare Preussisch-Blau als Farbe der weiblichen Amtstracht! So käme die neulich schon gepriesene ‹sanfte Stille heiliger Jungfrauen› schön zum Zuge.
Tagsüber würde tüchtig geschafft. Gegen Mittag würde er von einem Fenster aus den herbei gereisten Menschen den Segen Gottes erbitten – so, dass die Leute lächelnd wieder davon fahren können. Vielleicht gehe er auch ein wenig auf dem Platz vor der Peterskirche spazieren und gehe grüssend durch die Menge, ach, nicht nur grüssend, es gelte auch zuzuhören, was die Menschen einem zu sagen haben. Anschliessend würde weiter geschafft. Aber abends würde er sich im gemütlichen Kreis unterhalten, Musik hören und Wein trinken. Musik: Mozart würde natürlich gleich selig gesprochen. Und damit würde überhaupt ein neuer Sinn von ‹Seligsprechung› angedeutet. Sie würde so verstanden, dass es dann keine Heiligsprechung mehr brauche. ‹Selig› – nicht aufgrund eines dem Urteil Gottes vorgreifenden menschlichen Urteils über die fast-Heiligkeit dieser oder jener Person. ‹Selig› – sofern jemand nicht für sich selig war, sondern andere, viele andere ‹beseligt› hat. – Und was ist es mit päpstlichen Unfehlbarkeit? – Die würde er in der kurzen Zeit nicht aufheben. Vielmehr würde er sie mittels seines Rechts dazu zu drei unrevidierbaren Entscheidungen benutzen. Dreimal würde er unfehlbar reden und darauf seinen Thron ‹unfehlbar› wieder verlassen. Dreimal würde vollständig genügen, um gehörig die Richtung des Steuers zu ändern. – Und was wären die drei unfehlbaren Entscheidungen? – Nun, das sei doch nicht schwer zu erraten. Eben das Genannte würde sogleich relevant gemacht: blau als die Kirchenfarbe, die Einführung von Kardinälinnen und die Neuordnung der Heiligsprechung bei Anlass der Seligsprechung Mozarts. Wir mussten alle herzlich lachen und er am meisten, über seinen gelungenen Einfall.»
(Giancarlo Collet)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


