Mutlose bischöfliche Autorität?
Dom Helder Camara meinte in einem Gespräch zur Nachkonzilszeit: «Das Konzil hat die Geister und Strukturen derartig erschüttert, dass es unvorstellbar gewesen wäre, dass danach alles schweigend, heiter und harmonisch weitergegangen wäre. Es wäre beunruhigend gewesen, wenn es keine Zusammenstösse, Schocks, Konflikte gegeben hätte: das hätte bedeutet, das Konzil hätte nichts gesagt und nichts getan.
Für mich besteht das eigentliche Problem nicht in den Gegenströmungen des Nach-Konzils. Das wahre Problem, ich wiederhole es, ist unser Mangel an Mut, wenn es darum geht, die Konklusionen des Konzils … in die Praxis umzusetzen; das heisst, das Evangelium so in die Praxis umzusetzen, wie wir, die Bischöfe, es mit dem Papst unter der Führung des Heiligen Geistes, für die Menschen und die Welt von heute ausgedrückt haben.
Ich weiss: man spricht viel von einer Autoritätskrise in der Kirche und gar von einer Glaubenskrise. Meine persönliche Erfahrung erlaubt mir zu sagen, dass eine Autoritätskrise vor allem dann auftritt, wenn die Autoritäten nicht den Mut haben, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu akzeptieren, die sie geprüft, beschlossen, gewählt und unterzeichnet haben. Wenn es eine Autoritätskrise gibt, dann auch aufgrund dessen, dass wir als Autoritäten sehr häufig vergassen, dass die Ausübung von Autorität dienen bedeutet und nicht, bedient zu werden. Eine autoritäre Autorität ist heute nicht mehr möglich. Es gibt nur eine Autorität in brüderlichem Dialog.»
(Giancarlo Collet)
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