Konzilsblogteam

Christliche Erziehung als Lernfeld des Glaubens

«Über die entscheidende Bedeutung der Erziehung im menschlichen Leben und ihren ständig wachsenden Einfluss auf den gesellschaftlichen Fortschritt der Gegenwart hat das Heilige Ökumenische Konzil eingehende Erwägungen angestellt. Tatsächlich machen die Gegebenheiten unserer Zeit die Erziehung der Jugend, ja sogar eine stetige Erwachsenenbildung leichter und vor allem dringlicher. Denn die Menschen sind sich der eigenen Würde und Aufgabe voller bewusst und verlangen immer mehr nach einer aktiveren Teilnahme am gesellschaftlichen und besonders am wirtschaftlichen und politischen Leben. Die staunenswerten Fortschritte der Technik und wissenschaftlichen Forschung sowie die modernen Kommunikationsmittel der Gesellschaft geben den Menschen, die heute nicht selten über mehr Freizeit verfügen, die Möglichkeit, zum geistig-kulturellen Erbe einen leichteren Zugang zu finden und durch eine engere Verbindung zwischen den Gruppen und den Völkern selbst sich gegenseitig zu ergänzen.» (GE 1)
Mit diesem Vorwort der Konzilserklärung Gravissimum educationis kommt das Konzil der Aufgabe konkret nach, «Kirche in der Welt von heute» zu sein – im Hintergrund des Textes steht die positive Würdigung entsprechender Anstrengungen der Vereinten Nationen durch die Konzilsväter. Bildung und Erziehung werden auch als Folge davon ganzheitlich verstanden. Freilich zeigt sich bei näherem Hinsehen einerseits, dass die hier beschriebene Welt schon damals in einem rasanten Wandel befindlich war. Andererseits besteht gerade in der je neuen wechselseitigen Rückkoppelung pädagogischer Theorien und Modelle auf die in GE 1 artikulierte grundsätzliche (und sich an konkreten Herausforderungen je neu zu bewährende) Dimension von Bildung und Erziehung, Anthropologie und Christologie (die ihrerseits vom Gesamt des Konzils her zu sehen ist) eine aussergewöhnliche Chance für die Religionspädagogik, und mit ihr für Theologie und Kirche insgesamt.
Denn durchaus in der Logik des Konzils, auch wenn nicht explizit im Text zur Sprache gebracht, wird deutlich, dass die Kirche eine Lerngemeinschaft ist: Wo, wenn nicht im weiten Bereich der Bildung und der Erziehung, hat der Glaube die Chance, generationenübergreifend von Fragen und Einsichten nicht nur, aber besonders auch der heranwachsenden Generation zu lernen?
(mq)

11. April 2015 | 00:01
von Konzilsblogteam
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