Frauen – Geld
«Frauen sind für mich eine Versuchung»
Vorbemerkung: Im Folgenden zwei unterschiedlich Texte zu unterschiedlichen Themen:
- Mein Wort zum Sonntag im Radio Central am Sonntag, 7. Oktober zum Thema «Katholische Kirche und Frauen.
- Ein kurzer Ausschnitt aus meiner Predigt am Wochenende vom 13./14. Oktober, an dem das Evangelium vom «reichen Jüngling» gelesen wurde.
Liebe Zuhörer
Nein, mit dieser männlichen Anrede habe ich die Frauen nicht vergessen oder bloss «mitgemeint». Ich möchte Sie, liebe Zuhörerinnen, besonders begrüssen. Denn ich habe für heute das Thema gewählt «Kirche – vor allem katholische Kirche – und Frauen». Sie alle wissen, dass da nicht alles erfreulich ist.
Zuerst zum ernsten Thema eine witzige Bemerkung: Frühere Generationen von Kandidaten für das Priestertum oder das Ordensleben erzählen, dass sie den guten Rat bekommen haben: «Erblicken deine Augen eine Frau, schlage sie nieder.» Ja, wer soll da niedergeschlagen werden, die Augen oder die Frau?
Im Ernst: Frauen sind in der Kirche häufig als eine Gefahr angeschaut worden. Dazu eine absurde Situation: Mitte 60-Jahre, kurz vor der Matura, habe ich mit meinem Vater in unserem Altersheim zwei alte Frauen besucht: ehemalige Dienstmägde, müde und gebückt von ihrer strengen Arbeit. Wir haben miteinander Kaffee getrunken. Plötzlich sagt eine: «Du willst ja Priester werden. Darfst du dann neben einer Frau sitzen?» Die Dame hat offenbar die damalige kirchliche Auffassung verinnerlicht, dass Frauen gefährlich sind….
Darüber ist auch vor zwei Wochen geredet worden, als sich 400 Ordensleute aus der ganzen Schweiz in Baar versammelt hatten. Kardinal Joao Braz de Aviz, im Vatikan der Hauptverantwortliche für das Ordensleben, hat bedauert, dass viele Ordensmänner ein gestörtes Verhältnis zu Frauen haben. Manchmal würden sie klagen: «Frauen sind für mich eine Versuchung.»
Der Kardinal ist darüber entsetzt. Denn in den biblischen Berichten von der Schöpfung würde es anders tönen. Dort steht, dass Gott Frauen und Männer als gleichwertige Menschen geschaffen hat. Darum sei es nötig, dass sie gemeinsam unterwegs seien: ohne Angst voreinander, partnerschaftlich, auf gleicher Augenhöhe.
Ein anderer Missstand: In der Gesellschaft und ganz besonders in der Kirche, werden die Frauen sprachlich unsichtbar gemacht. Alle Gläubigen werden vielfach als «Brüder» angeredet.
Auch dazu noch eine witzige Szene. Vor Jahren hat im Vatikan ein Kongress der katholischen Frauenverbände stattgefunden. Der zuständige Kardinal hat die Teilnehmerinnen immer mit «Frères/Brüder» angeredet. Eine gute Bekannte von mir hat ihn nachher auf dem Gang darauf angesprochen. Seine Antwort: «Wenn ich «Frères» sage, schliesse ich selbstverständlich die Schwestern mit ein.»
Meine Bekannte hat sich von ihm sich von ihm verabschiedet: «Au revoir, ma soeur.» Und erklärt: «»Wenn ich soeurs/Schwester, sage, meine ich auch die Brüder.» Der Kardinal wurde rot im Gesicht, wie sein Käppi. Doch am andern Tag wurden die Frauen korrekt angeredet.
Und jetzt: Liebe Schwestern und Brüder, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag.
Geld
Geld kann blind machen für nicht-materielle Werte wie Freundschaft und Liebe. Vor vielen Jahren habe ich in einem Dokumentar-Film ein Beispiel gesehen, das mich erschüttert hat. Ein Deutscher kannte den Trick, Geldspiel-Automaten zu knacken. Er zog von Stadt zu Stadt und brachte überall in den Restaurants die Geräte dazu, alles Geld, das drin war, auszuspucken. So nahm er jeden Tag Hunderte von D-Marks ein. Als er gefragt wurde, ob er eine Freundin habe, meinte er: «Dann müsste ich von Zeit zu Zeit ein paar Tage bei ihr verbringen. Dann würde ich vielleicht 1000 Mark weniger einnehmen. Und so viel ist mir keine Freundschaft wert.»
Sicher, ein extremes Beispiel. Viele, die sich in die Arbeit stürzen, um ihren Reichtum zu vermehren, würden es nicht so ehrlich formulieren. Aber nicht wenige ruinieren dabei ihr Familienleben.
Ausserdem habe ich in der Predigt darauf hingewiesen, dass wir allzu viele materielle Dinge besitzen. Hier dazu nur ein Link:
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Joseph Wolf sagt:
Ich war mich von Anfang an (Weihejahrgang 73) gewohnt Schwestern und Büder richtig anzusprechen. Ich habe dies auch in Burundi (1996-2001) so gehalten zum Erstaunen des einheimischen Klerus. Aber sie haben es bald inkulturiert. Liebe Grüsse Joseph