Congar definiert Mission
Yves Congar muss sich wohl oft an den Kopf gefasst haben, als das Missionsschema am 29. März 1965 wieder einmal diskutiert wurde. Es galt, die ungelösten Spannungen zwischen einem weiten und einem engen (territorialen) Missionsverständnis irgendwie zu überbrücken. Dazu brauchte es einen Kompromiss. In seinen Notizen vermerkt er dazu:
«Wir kommen jetzt zur Frage des Wesens und der Definition der Mission. Die Äusserungen der Bischöfe gehen in verschiedene Richtungen. Viele Bischöfe der jungen Kirchen (…) sind für die territoriale Definition. Ich sage dies:
1) Wenn man eine theologisch fundierte Definition will, muss man notwendigerweise von einem weit gefassten Begriff ausgehen, von der Mission der Kirche selbst; anschliessend kann man präzisierend einen engeren Sinn ins Auge fassen.
2) Man sollte die Mission bzw. die Missionen durch ihr Objekt und ihre Zielsetzung definieren: Es geht dabei nicht um Territorien, sondern um Menschen, um diejenigen, die nichts von Christus wissen oder nicht an ihn glauben. Die Mission betrifft Menschengruppen in der Situation des Unglaubens. Dass sich dies Gruppierungen in grosser Zahl in bestimmten Regionen befinden und dass die Mission daher de facto bestimmte Regionen betrifft, kann häufig vorkommen, aber es ist akzudentell; der Kardinal selbst sagte dazu: ‹kontingent›. Das Territorium als solches ist formal kein Thema.
3) Man kann also eine geographische Definition und eine soziologische (ich selbst ziehe es vor zu sagen: anthropologische) Definition nicht als Widersprüche einander gegenüberstellen: Sie liegen nicht auf derselben Ebene: Die eine ist essentiell und die andere akzidentiell.» (zit. nach A4, 686)
(ab)
(Anmerkung der Redaktion: Gestern war der 1. April und es gab daher zwei Konzilsblog-Beiträge…)
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