Eine Mischehen-Instruktion von Papst Alfredo Ottaviani
Obwohl die Mischehe (bzw., wie heute vorzugsweise formuliert wird, die konfessionsverbindende Ehe) von der Tagesordnung des Konzils genommen worden war, blieb das Thema im Blick. So formulierten 22 Beobachter aus verschiedenen Konfessionen am 1. Oktober 1965 eine gemeinsame Eingabe (vgl. A 5,562).
Am 18. März 1966 veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre zu diesem Thema eine Instruktion. Anlass war der Besuch des Erzbischofs von Canterbury, Michael Ramsey, dem Papst Paul VI. nicht mit leeren Händen begegnen wollte, zumal Ramsey im Vorfeld gesagt hatte, dass er über dieses Thema sprechen wolle. Die Instruktion war jedoch eher restriktiv verfasst und wurde mit Enttäuschung entgegengenommen. Kardinal Bea fürchtete negative Auswirkungen für den Besuch des anglikanischen Primas und veranlasste eine Notaktion, damit dieser wenigstens schon vor seinem Besuch von der Instruktion informiert werden konnte (vgl. Schm 816-822).
Umso mehr setzte man darauf, dass die Instruktion «ad experimentum» in Kraft trat. Gerade das Zurückbleiben hinter den Erwartungen könnte dazu geführt haben, die Diskussion anzufachen, die dann zu dem offeneren Motu proprio Pauls VI. Matrimonia mixta vom 31. März 1970 führte.
Pikantes Detail der Instruktion: Die Eile, mit der es verabschiedet wurde, liess übersehen, dass der Text ursprünglich für eine Unterschrift durch den Papst vorbereitet worden war, dann aber von Kardinal Alfredo Ottaviani unterzeichnet wurde. Dadurch kam es zu einer Ungereimtheit, die der Spiegel wie folgt kommentierte:
«Der Heilige Stuhl machte es versehentlich publik: Papst ist nicht Paul VI., sondern Alfredo Ottaviani – der bis zum vorletzten Freitag, dem 18. März 1966, nur Kurienkardinal war.
Unter diesem Datum unterschrieb Ottaviani ein Dekret über die Mischehe zwischen Katholiken und Nichtkatholiken, in dem er sich im Plural – der nur Päpsten zusteht – auf ‹Unseren Vorgänger Johannes XXIII.› beruft. Doch Johannes XXIII. war Vorgesetzter Ottavianis und Vorgänger Pauls VI.» (Spiegel vom 28.03.1966http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46266220.html).
(emf)
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